Tugba und Taner – Exposee

Tugba und  Taner mit zwei Kindern (12,17) aus Niedersachsen

Die in Deutschland geborene Türkin Tugba hat 15 Jahre lang mit ihrem Mann das klassische Modell gelebt: Obwohl sich beide im Studium kennengelernt haben, hat er schließlich Karriere bei einem großen Konzern gemacht, während sie ihm den Rücken freigehalten hat. 6 Wochen nach der Geburt ihres Sohnes, ging das Paar für die Firma ins Ausland  – in die Türkei.

Für Tugba in der Tat ein fast fremdes Land, denn sie war bis dato nicht nur in Deutschland geboren sondern auch komplett dort aufgewachsen.

Ihr Mann hingegen war erst 1999 zum Studium nach Deutschland gekommen. Bis dahin war er bei den Großeltern in der Türkei aufgewachsen, während seine Eltern in Deutschland arbeiteten.

Tugbas Mutter hingegen war bereits mit ihren Eltern im Alter  von 12 Jahren nach Deutschland gekommen, um dann hier zu heiraten und sechs Kinder zu bekommen. 2 Monate nachdem sie Tugba in Deutschland bekommen hatte, musste sie wieder arbeiten gehen. Tugba hat als Kind sehr darunter gelitten, ebenso wie ihr Mann von der Trennung von seinen Eltern.

Deshalb haben die beiden sich bewusst entschieden, es mit den eigenen Kindern anders zu machen: Für Tugba war es eine Entscheidung, die sie heute so beschreibt: „Ich war glücklich verheiratete Alleinerziehende“. Ein großes Problem war ihre Eifersucht bei den langen Dienstreisen ihres Mannes, den sie oft monatelang nur über Skype oder Telefon sprechen konnte. Aber auch diese Phase haben die beiden durch intensive Gespräche überstanden. Um Zweifel aus dem Weg zu räumen, hatte Taner eines Tages einfach seine ganze Abteilung nach Hause eingeladen.

Auf Hilfe der Großeltern konnten sie zu keiner Zeit setzen, denn die leben allesamt in NRW. Tugbas Eltern haben sich nach einem arbeitsreichen Leben nach 28 Jahren Ehe scheiden lassen.

Für Tugba und Taner aber war die Entscheidung, ihr Leben so zu leben, wie sie es getan haben, bis heute absolut richtig. 2003 kam die Familie aus der Türkei zurück und bekam dann das zweite Kind, eine Tochter. Seitdem hat die Deutsch-Dozentin regelmäßig als solche gearbeitet, allerdings als Honorarkraft. Ihr Rentenbescheid beläuft sich demzufolge auf satte 14, 70 Euro…..

Kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag 2011 dann, die Kinder waren aus dem Gröbsten raus, beschloss Tugba, nochmal „die Hacken in den Teer zu schlagen“ und zu studieren. Das auf vier Jahre angelegte BA Studium für Pädagogik schloss sie nach zwei Jahren, genau zu ihrem 40. Geburtstag, ab.

Seitdem studiert sie auf Master in Organisation/Government und Bildung und will evtl noch promovieren – eigentlich hauptsächlich weil sie Angst hat, das sie mit über 40 auf dem Arbeitsmarkt keiner mehr will…

Sie muss nicht arbeiten, will jetzt aber und schafft alle Voraussetzungen dafür. Sie beide sind mit dem gewählten Modell offensichtlich sehr glücklich und Tugba fühlt sich sehr von ihrem Mann unterstützt, der sie sehr ermuntert und vor allem unterstützt. Während sie studieren ging, fuchste er sich in die Lehre des Wäsche-Waschens ein. Die Kinder jedoch sind nicht immer begeistert davon, dass ihre Mutter jetzt mit eigenen Themen absorbiert ist.

Tugba und ihr Mann sind ein gutes Beispiel für erfolgreiche, glückliche, komplett assimilierte Türken mit Heimatliebe, die mit exakt den gleichen Grundsatz-Problemen und Alltagsfragen zu kämpfen hatten wie deutsche Familien.

Vor allen Dingen aber sind sie ein Beispiel dafür, dass Lebensmodelle sich ständig im Fluss befinden, und man gut daran tut, sich darin ebenso flexibel zu halten. Das entschieden aber ist, dass sie als Paar unbeirrbar aneinander festhalten.

Mit dieser Gewissheit im Rücken, kann man dann – wie Tugba – auch ganz in Ruhe eines nach dem anderen machen ohne Angst haben zu müssen, dass einer das Weite sucht.

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