Tugba und Taner – Drehbericht

Zwei Dinge sind mir von den Dreharbeiten an jenem heißen Tag besonders in Erinnerung. Genauer gesagt: zwei Adjektive, mit denen ich die Beziehung der beiden beschreiben würde: liebevoll und stolz.

Während einer sprach, lächelte der andere ihn an und andersherum. Selbst wenn man abzieht, dass jedes Paar vor der Kamera versucht, sich so gut wie möglich darzustellen – hier war ein gegenseitiger Respekt und ein (durchaus hart erarbeitetes) Glück spürbar, das mich sehr berührt hat. Vor allem aber eine Wertschätzung des ganz alltäglichen Glücks, genug zu essen, ein ordentliches Auskommen und eine intakte Familie zu haben.

Sich eine Zeit lang (oder auch für immer) für eine klassische Aufteilung zu entscheiden ist eben nicht gleichbedeutend mit Machismo. Taner ist das Gegenteil jedes Machismo-Gehabes und Tugba das Gegenteil eines „braven Hausfrauchens“. Sie kann Tacheles reden, er kann zuhören, ernst nehmen und handeln. Taner ist ein zutiefst gleichberechtigt denkender Mann und das in einem Ausmaß, wie ich es selten gesehen haben. Tugba eine Frau, die die Chancen, das Glück und das Leben, das/die ihr geboten wird/wurden, unglaublich zu schätzen (und zu nutzen) weiß.

Vor mir saßen zwei Menschen, die unglaublich stolz waren. Beide auf das, was sie als Paar geleistet hatten. Sie auf das, was er beruflich geleistet hatte. Er auf das, was sie zu Hause geleistet hatte. Aber eben auch darauf, was sie im Studium nun leistete.

Beide haben ihren Kindern bewusst eine andere Kindheit bieten wollen und können, als sie es erleben mussten.  Beide hatten Eltern, die ihr Bestes gegeben haben, damit ihre Kinder einmal besser leben können als sie selbst.

Aber ein Familienleben, wie wir es hier und heute kennen, war unter den damaligen Umständen unmöglich. Als Migranten in Deutschland lebend, ging es erst einmal hauptsächlich darum, das Einkommen der Familie zu sichern. Tugbas Eltern arbeiteten dafür abwechselnd im Schichtbetrieb, Taners Eltern anderen ließen ihren Sohn in der Türkei bei der Großmutter.

Auch aus einer solchen Kindheit kann Glück erwachsen – wenn man das eigene bewusst gestaltet, das habe ich an diesem Tag gelernt.

Teilen