Wo bin ich heute Nachmittag und wer ist heute für mich zuständig?

Susanne Garsoffky ist verheiratet und hat zwei Söhne. Schon während ihres Geschichts- und Politikstudiums hat sie als Journalistin für Tageszeitungen und den Hörfunk gearbeitet. Nach ihrem Volontariat bei der Axel-Springer-Journalistenschule in Berlin arbeitete sie als Reporterin und Redakteurin bei der „Berliner Morgenpost“. Dann der Wechsel zum WDR, erst als Autorin für tagesaktuelle und landespolitische Magazine, später zusammen mit Frank Plasberg als Redakteurin und Chefin vom Dienst bei „WDR Extra“. Danach kam die Leitung der ARD Talkshow „Gabi Bauer“. Susanne Garsoffkys Themenschwerpunkt war schon immer die Gesellschaftspolitik. Sie gestaltete das frauenpolitische Magazin „frauTV“ im WDR mit und war während dessen immer wieder an der Entwicklung neuer Formate beteiligt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie zusammen mit Britta Sembach das Buch „Die Alles ist möglich-Lüge“ zum Thema Familie und Familienpolitik. Sie selbst ist vor drei Jahren beruflich erheblich kürzer getreten – und hat diesen Schritt noch keinen Tag bereut.

„Ich habe die ganze Zeit gedacht, ich mache alles richtig: Fast direkt nach der Geburt beider Kinder wieder zurück in den Job, um am Ball zu bleiben. Im Büro stets professionell und einsatzbereit, die Kinder kamen höchstens als lustige Anekdoten in der Kaffeeküche vor. Da mein Mann auch in seinem Beruf Gas gab, war unser Familienleben irgendwann eine organisatorische Meisterleistung. Jeder Tag war getaktet, jeder von uns – die Eltern und die Kinder – wusste genau, was er zu tun hatte. Vertrödelte Nachmittage im Park, lange Gespräche oder spontane Ausflüge hatten in unseren Terminkalendern keinen Platz. Und am Abend brachen alle erschöpft auf dem Sofa zusammen.

Mit dem Mantra: Das muss so sein, du musst unbedingt unabhängig bleiben, dein eigenes Geld verdienen, an die Rente denken, habe ich mich lange über Wasser gehalten. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Irgendwann traten mir bei dem Satz meines damals Siebenjährigen die Tränen in die Augen, der jeden Morgen fragte: „Wo bin ich heute Nachmittag und wer ist heute für mich zuständig?“ Ich wollte nicht hin und wieder „zuständig“ sein für meine Kinder. Ich wollte da sein. Weil ich sie liebe.

Also fasste ich den Entschluss, in meinem Beruf, den ich auch sehr liebe, kürzer zu treten. Beides – ein fester Job mit Anwesenheitspflicht und zwei kleine Kinder – das passte für mich einfach nicht mehr zusammen. Natürlich hatte ich unheimlich Angst. Angst, abhängig zu sein von meinem Mann, Angst, im Beruf den Anschluss zu verpassen. Und Angst vor der Reaktion meiner Freunde und Kollegen. „Jetzt werde nur kein Hausmütterchen“, meinte eine meiner besten Freundinnen dann auch prompt.

Und da hab ich mich gefragt: wie geht’s eigentlich all den anderen Familien? Den Müttern und Vätern und Kindern, die den Wahnsinn des Alltags jeden Tag meistern müssen. Wie schaffen sie den Spagat zwischen Job und Familie?

Mit Family Unplugged will ich unsere Interviewpartner befreien von dem Fernsehformat in dem alles in  Zweiminutendreißig gesagt sein muss.“

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