Pendelnde Papas

Gestern traf ich eine Frau, die mit einem Mann zusammenlebt, der getrennter Papa ist.

Er liebt sein Kind, und er hat – wie alle Eltern, die sich trennen –  ein unendlich schlechtes Gewissen immer im Gepäck. Das  setzt Kraftressourcen frei…

Jedes zweite Wochenende holt er sein achtjähriges Kind in einer knapp 300 Kilometer entfernten Stadt ab und bringt es am Sonntag wieder heim zu dessen Mutter.

Es gibt auch ein Kids on Tour-Programm der Bahn, mit dem viele Scheidungskinder an den Wochenenden zwischen ihren Eltern durch Deutschland pendeln – begleitet von Mitarbeitern der Bahn.

Aber die Mutter des Kindes findet den Gedanken unerträglich, dass der Kleine allein mit der Bahn fährt; auch sie hat – natürlich – an ihrem Gewissen zu tragen und will, dass es dem Kind gut geht. Außerdem hat sie den Trennung seinerzeit gar nicht gewollt; da ist die Kompromissbereitschaft – sagen wir mal – eingeschränkt.

Also fährt Papa das Kind hin und her, neben seiner beruflichen Selbstständigkeit und neben seinem Versuch, eine neues Leben aufzubauen und wieder glücklich zu werden.

Die erste Zeit, sagte mir die neue Lebensgefährtin, sei er immer mit dem Auto gefahren. Damit es nicht so teuer wird, hat er jedes Mal über eine App Mitfahrer gesucht – und auch jedes Mal welche gefunden:

Andere Papas, die in der gleichen Situation leben. Auch sie immer auf der Suche nach einem bezahlbaren Weg, ihre Kinder zu sehen. Alle am Wochenende auf Achse, um ein Stück Familiengefühl und Nähe zu retten, wenn alles auseinandergeflogen ist.

Aber irgendwann ging das nicht mehr mit dem Auto, sagt sie. Manchmal ist er fast eingeschlafen, weil er so k.o. war.

Familie heute – die Medaille hat zwei Seiten.

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