#muttertagswunsch 2017

Gastbeitrag von Annette Loers / mutterseelesonnig

Am 14. Mai ist Muttertag. Seit Wochen ist das Mail- und Spam-Postfach voll mit Basteltipps und Wellness-Angeboten, in den Supermärkten locken Pralinendisplays und die Blumenläden laufen langsam zur Hochform auf. Die Kinder werden in den Kitas, Schulen und Horten zum Basteln niedlicher Dankes- und Liebeskärtchen für die Mama animiert. Und überall Bilder von glücklichen Müttern im Kreise der Familie, umringt von glücklichen Kindern und liebenden Gatten.

Am 25. Mai ist Vatertag. Da ziehen die Männer mit Bollerwagen und einer Kiste Bier im Kreise ihrer Lieben durch die Gegend: mit ihren Kumpels. Zum Vatertag wird nicht gebastelt und geschenkt, wird nicht gedankt und entspannt, es wird gesoffen.

So wie Muttertag und der Vatertag aktuell „gefeiert“ werden, zementieren sie die Geschlechterklischees, dass es einem schlecht werden könnte: Die Mütter werden auf die Familie und ihre Arbeit im Haushalt reduziert, die Väter auf Sauftouren unter Männern. Familie in Deutschland 2017, herzlichen Glückwunsch!

Einzig die Erzeugnisse der Kinder rühren mich. Auch wenn ich weiß, dass noch 23 andere Kinder das identische Gedicht von der Tafel abgeschrieben haben, in dem ich als sorgende und fleißige Mutter geehrt werde, so freue ich mich darüber, dass mein Kind mir etwas schenkt.

Wir brauchen dringend modernere Familienbilder, und wenn wir schon dabei sind: wir brauchen dringend familienfreundlichere Strukturen in Deutschland. Das war bereits letztes Jahr der Anstoß, den Muttertag mal anders anzupacken: inspiriert von diversen Muttertagswünschen in den sozialen Medien hatte ich überlegt, was ich mich als Mutter wirklich wünsche, und das sind nicht Blumen, Wellness und Frühstück ans Bett, sondern eine gerechte Steuerklasse als Alleinerziehende, vernünftige und bezahlbare Kinderbetreuung auch für Kinder bis 14 Jahren und finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung meiner Erziehungsleistung. Um nur einige zu nennen.

Da ich wusste, dass ich mit diesen Wünschen ganz sicher nicht alleine bin, hatte ich mir Mitstreiterinnen gesucht und zusammen mit Christine Finke und dem Interviewprojekt family unplugged die Aktion #muttertagswunsch ins Leben gerufen: eine Woche vor dem Muttertag haben wir gemeinsam alle Mütter und Väter dazu aufgerufen, ihre Wünsche an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu posten. Innerhalb von Stunden haben Hunderte von Menschen mitgemacht und Twitter geflutet. Über hundert Blogtexte sind erschienen, die Medien haben bundesweit berichtet und wir sind über RTLaktuell bis hin in die Tagesthemen damit gekommen. Wahnsinn!

Zum Schluss haben wir die vielen vielen Muttertagswünsche zusammengefasst und auf sechs Kernforderungen konzentriert. Diese haben wir unserer Familienministerin Manuela Schwesig geschickt, die uns dann tatsächlich nach Berlin ins Ministerium eingeladen hat. Dort wurden wir mit unseren Forderungen angehört, ernst genommen und wir haben über zwei Stunden lang lebhaft diskutiert. Natürlich wurde nicht am nächsten Tag das Sozialversicherungssystem in Deutschland komplett umgebaut, aber in kleinen Schritten tut sich etwas, das haben wir deutlich gespürt.

Deshalb rufen wir, Christine Finke, family unplugged und ich, mit FrauTV an unserer Seite auch in diesem Jahr wieder alle Mütter und Väter dazu auf: postet und tweetet Euren #muttertagswunsch und #vatertagswunsch!

Wir haben schon viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun, und deshalb müssen wir jedes Jahr lauter werden! Kinder sind keine Privatsache, und Familien sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir retten jeden Tag die Welt, weil wir unseren Kindern schon beim Frühstück Demokratie erklären, beim Mittagessen gerechte Verteilung vorleben und beim Abendessen einen respektvollen und gewaltfreien Umgang miteinander üben. Familien sind keine Randgruppe, wir sind verdammt viele: egal ob allein- oder zusammen-Erziehende, Patchwork jeglicher Konstellation, gleichgeschlechtliche Eltern, Adoptiv- oder Pflege-Eltern: Familie ist da, wo mindestens ein Kind und ein Erwachsener ist. Und Familien brauchen mehr als Pralinen, Blumen und Sauftouren.

Mit unserem #muttertagswunsch und #vatertagswunsch wollen wir nicht nur protestieren und anklagen (aber auch!), sondern deutlich sagen, was verändert werden muss, was abgeschafft gehört und was dringend eingeführt werden sollte, um Familienleben in Deutschland lebenswert zu machen. Für alle!

Wir werden alle Tweets unter dem #muttertagswunsch und #vatertagswunsch wieder zusammenfassen und auch dieses Jahr wieder unserer Familienministerin überreichen.

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