Drehbericht – Melanie und Emily

Melanie und  Emmy

Wenn ich Menschen wie Melanie und Emmy begegne, weiß ich wieder ganz genau, warum ich diesen Beruf so mag: Man recherchiert wildfremde Menschen, die in ein gewisses Schema passen sollen – diesmal hieß es: Wir brauchen dringend Alleinerziehende, und es sollte „irgendwo im Osten“ Deutschlands sein. Schließlich stellen Ein-Eltern-Familien, wie sie so „schön“ heißen, inzwischen einen bedeutenden Teil der deutschen Familien dar.

Wir hatten also Melanie in Brandenburg gefunden und sind nach einem Vorgespräch am Telefon einfach hingefahren: Stephan Faber aus dem Westen und ich aus dem Norden. Ja, und dann steht man da plötzlich in einem fremden Wohnzimmer und wird derartig freundlich und herzlich empfangen und bewirtet, dass man ganz sprachlos ist. Emmy, Melanies neunjährige Tochter, hatte sich hübsch gemacht, weil „eine Kamerateam“ kommen sollte und sang uns schließlich sogar noch etwas vor!

Dazu gab es Würstchen und Brötchen und ordentlich Kaffee – es war wirklich nett und gemütlich.

Und bei dem darauffolgenden Interview war ich überwältigt von der Tatkraft und der Entschlossenheit, mit der Melanie sich als sehr junge Mutter aus der staatlichen Abhängigkeit herausgearbeitet hat und jetzt auf eigenen Beinen steht. Als Alleinerziehende kann sie sich nicht wie ich darauf zurückziehen, dass ein anderer den Löwenanteil verdient – und sie „nur“ dazu. Also spielen in ihren Entscheidungen gewisse Zweifel auch gar keine Rolle – sie sind einfach gar nicht drin: Melanie muss vollzeitnah arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Mal ganz abgesehen davon, dass Melanie es auch gar nicht anders möchte. Und deshalb hat sie Emmy unbeirrt darauf vorbereitet, selbstständig zu sein. Wer die beiden beobachtet, spürt, dass Emmy behütet und geliebt aufwächst – dass das aber nicht gleichbedeutend damit ist, mit dem Auto zur Schule gefahren zu werden.

Ich kann mir vorstellen, dass die durch und durch zufriedene Selbstverständlichkeit, mit der Melanie ihre Berufstätigkeit lebt, auch viel damit zu tun hat, dass ihre Mutter eine Mutter im System der DDR und somit voll berufstätig war. Melanie fand das als Kind durchaus nicht schön  – die grundsätzliche Haltung aber, dass Frauen selbstverständlich auch außerhalb des Zuhauses arbeiten, ist ihr in Fleisch und Blut übergangen.

Vielen Dank an die Beiden, dass sie ihre Geschichte mit uns geteilt haben.

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