Hintergrund – Melanie und Emily

Als Melanie mit 22 Jahren schwanger wird, ist das für sie und den vier Jahre jüngeren Vater des Kindes erst einmal ein Schock. Schließlich fühlen sich beide noch sehr jung und sind zu diesem Zeitpunkt gerade einmal ein halbes Jahr liiert.

Kennengelernt haben sich die gebürtige Cottbuserin und Yves in einem Restaurant, ihrem damaligen Arbeitsplatz. Sie verlieben sich, ziehen zusammen in eine Wohnung im Haus seiner Mutter. Auch mit den Eltern ihres Freundes versteht sich Melanie gut. Für den Moment ist es schön. Aber Heiraten oder gar Kinderkriegen? Zumindest in Yves Leben spielen solche Fragen noch keine Rolle. Als Melanie beschließt, das Kind zu behalten,  akzeptiert er das zwar, doch dann trennt er sich von Melanie.

Sitzengelassen, will auch Melanie am Liebsten sofort in ihre alte Heimat zurück, um dort wenigstens die Hilfe der Mutter im Rücken zu haben. In der brandenburgischen Kleinstadt hat sie ihre Jugend verbracht und ihre Mutter und Stiefvater leben dort. Trotzdem entschließt sie sich, in einer Klinik in der Nähe des Kindsvaters zu entbinden. So können Yves und seine Familie zum Neugeborenen noch eine Bindung aufbauen, die auch über die Entfernung trägt, hofft sie. „Ein Kind sollte immer die Möglichkeit haben, mit den Familien beider Elternteile Kontakt zu halten. Egal, wie seine Eltern mittlerweile zueinander stehen“, findet sie.

Zwei Monate nach der Entbindung zieht Melanie schließlich mit ihrer Tochter Emiliy  in die Nähe ihrer Mutter. Zunächst ist es schwierig für sie, einen Job zu bekommen, noch dazu einen, der sich mit ihrem Leben als Alleinerziehende vereinbaren lässt. Schließlich macht sie erst das Abitur nach und arbeitet dann als Schulbegleiterin. Während sie den ihr anvertrauten Schützlingen bei der Integration in den Schulalltag und zu mehr Selbstständigkeit im Alltag verhilft, besucht ihre Tochter eine Montessori-Ganztagsschule. „Für Alleinerziehende wie mich ist das Prinzip der Ganztagsbetreuung ein Segen“, sagt Melanie. „So weiß man wenigstens, dass die Kinder gut aufgehoben sind, während man arbeiten geht.“

Aber manchmal gibt es Situationen – wie zum Beispiel in den Ferien – da weiß Melanie nicht wohin mit ihrer Tochter. Zwar springt die Großmutter immer gerne ein, wenn sie kann. Aber auch die ist berufstätig. Im Notfall kommt Emily dann bei Freunden unter. Melanie ist dankbar für das große Netzwerk von Hilfsbereiten, welches sie sich mit den Jahren aufgebaut hat. Es gibt ihr ein Stückchen Sicherheit und auch ein wenig Gelassenheit. Sie sagt aber auch: „Man muss als Alleinerziehende ständig aufpassen, dass man dieses Netzwerk nicht überstrapaziert.“

Vor wenigen Monaten erst hat Melanie den Job gewechselt. Sie arbeitet jetzt in Teilzeit als Kinder- und Jugendhelferin  und verdient leidlich. Hinzu kommen noch das Kindergeld und die 375 Euro Unterhalt, die Emilys Vater ihr regelmäßig zahlt. Nicht viel Geld für einen Zwei-Personen-Haushalt, aber eben doch zu viel, um noch Anspruch auf Sozialleistungen aus dem ALG II zu haben. Trotzdem würde sich Melanie nie beschweren. Sie ist stolz darauf, dass sie für ihre Tochter sorgen kann. „ Wir können es uns zwar nicht leisten, so wie andere Familien, auch mal zu verreisen. Aber dafür unternehme ich mit Emily manchmal kleine Wochenendfluchten an die Ostsee. Oder wir gehen Wandern. Das reicht mir an Erholung.“

In nächster Zeit wird Melanie jedoch nicht mal mehr Zeit für Wochenendausflüge haben: Sie hat eine berufsbegleitendes Studium in Sonderpädagogik aufgenommen. Jeden Freitag und Samstag muss sie dann nach Teltow, die Schulbank drücken. All das ist nur möglich weil Melanie, wie sie es nennt, den Oma-Bonus hat – eine Mutter, die hilft wo sie kann, und einen Kindsvater, der anstandslos Unterhalt zahlt.

 

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