Masterplan – Desasterplan

Ihr erzählt uns, was bei Euch los ist, dann will ich auch ehrlich sein: Ich mache gerade eine Therapie, um das ständige Gefühl loszuwerden, mir schlüge täglich alles über dem Kopf zusammen. Um wieder wenigstens bis um halb sechs zu schlafen (da mache ich die erste Wäsche an) und nicht ab vier wach zu liegen mit 80 To-Do-Listen im Kopf.

Vorneweg, es tut wahnsinnig gut, jeder sollte das mal machen, um das Chaos im eigenen Kopf in den Griff zu kriegen. Es gibt einen Punkt, da kriegt man es nicht mehr selbst sortiert, geschweige denn, dass man es allein schaffen würde, neue Wege aus dem dem ewigen Hamsterrad zu finden. Deshalb gehe ich jetzt also jede Woche einmal zu einer Frau, die mir hilft, mich auszubremsen und mich nicht ständig selbst zu überfordern.

Denn darum geht es in Wahrheit. Es wird niemals, niemals der Punkt kommen, an dem alles erledigt, alles getan, alles zufriedenstellend, alles gut ist. Wenn wir uns nicht selbst gönnen, Dinge sein zu lassen, Dinge zu streichen, Ansprüche runterzuschrauben, wird es niemand tun.

Ich weiß das alles seit vielen Jahren. Ich habe diese Sätze auch schon von anderen gelesen und immer lieb genickt. Wir haben Freunde, die bereits massiv gesundheitlich in die Knie gegangen sind mit dem Pensum, das sie sich aufgeladen haben. Eigentlich ist also alles klar.

Aber so richtig der Groschen gefallen ist bei mir erst, als wir in einer dieser Therapie-Stunden einen Wochenplan gemacht haben, um uns einen Überblick über die Aufgaben zu verschaffen, die jeden Tag bei mir anstehen. Da steht alles drin, was in einer Familie mit zwei berufstätigen Eltern so ansteht: Wäsche waschen, Wäsche bügeln, Einkaufen, Durchsaugen, Hund Gassi gehen, Private Post erledigen, Überweisungen machen, Geld abheben für XYZ, Hausaufgaben durchsehen, Kinder irgendwo hingurken, Mittagessen planen, Mittagessen kochen, Rasen mähen usw. usw. usw. usw. – ach ja, und dann noch die bezahlte Arbeit!

Ihr habt alle einen Haushalt, Ihr wisst, dass man – wenn man schnell ist – zwar in einer Dreiviertel Stunde durch ein/zwei Läden pesen kann, aber die Fahrt dahin kostet auch Zeit und das Einräumen zu Hause erst recht. Einen Wocheneinkauf für eine Familie, die zu Hause isst, kann man also locker auf drei Stunden ansetzen.

Wir haben also in jener Wochenplan-Sitzung, jede einzelne Tätigkeit mit realistischer Zeit veranschlagt – mit einem Kind Eins eine halbe Stunde netto Diktat üben, heißt demnach, eine Stunde ansetzen, denn zwischendurch muss man garantiert mit Kind Zwei noch Fussballschuhe suchen oder Kind Drei muss aufs Klo. Naja, Ihr kennt das alles.

Als der Plan fertig war – ein Plan, in dem alles in Minuten eingeteilt und kein bisschen Luft war, wurde absolut klar, warum ich seit Jahren das Gefühl habe, das alles nicht zu schaffen:

Ich KANN es nicht schaffen. Was ich in einen Tag bekommen wollte, passt MATHEMATISCH nicht rein.

Es gab daran nichts zu rütteln, etwas musste rausfliegen oder reduziert werden. Viele kleine Dinge – ich hatte mir zum Beispiel immer innerlich einen Wahnsinnsstress damit gemacht, das Instrumente-Üben der Kinder zumindest anzuschieben. Haben wir nie geschafft. Aber ich hab mich damit beschissen gefühlt, weil ich dachte: Ich müsste aber doch….

Der Plan hat gezeigt: Geht einfach nicht. Also habe ich die Instrumentenlehrer angerufen und gesagt: Mein Kind übt nur noch einmal pro Woche, fertig. (Richtig gut wäre natürlich gewesen, den Anspruch zu streichen, dass die Kinder ein Instrument lernen sollten, aber ich übe ja noch…) Ohne den Überdruck ist alles im Grunde wie vorher, fühlt sich aber ganz anders an. Klar, das ist ein reines Luxusbeispiel, das Allermeiste kann man nicht wirklich wegkürzen. Dennoch: der eigene Anspruch an mich hat sich seitdem deutlich verändert. Und die Richtung ist klar; was Entspannung bringt ist gut, was unnötig stresst, fliegt raus.

Falls Euch das irgendwie bekannt vorkommt – kann ich nur sagen: Macht so einen Plan. Nicht um ihn minutiös einzuhalten, sondern um schwarz auf weiß zu sehen, was möglich ist – und was eben nicht. Bevor es zu spät ist.

Eine von family unplugged

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