#kinderinderkita brauchen Hilfe – jetzt!

Als ich den Artikel auf ZEIT ONLINE las, wurde mir ganz kalt. Ich wollte kaum glauben, was da stand: Fünfjährige werden in der Toilette eingesperrt, damit sie endlich ruhig sind. Babys schreien nur noch, weil sie seit Stunden mit wundem Po in ihren vollen Windeln liegen und niemand Zeit hat, sie zu wickeln. Die Zustände in manchen Kindertagesstätten, so das Ergebnis einer ZEIT ONLINE Umfrage unter 2000 Eltern und 260 Kitaangestellten, sind unhaltbar.

Studien beweisen, dass diese Fälle keine Ausnahmen sind. 80 Prozent der Einrichtungen sind von mittelmäßiger Qualität, in 6,8 Prozent wird sogar das Wohl der Kinder gefährdet. Und das alles ist kein Wunder, sagen Experten. Weil es seit Jahren in der deutschen Kita-Landschaft nur um eins geht: die Erhöhung der Anzahl der Plätze. Seitdem Eltern per Gesetz ein Anrecht auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige haben läuft der Ausbau auf Hochtouren. Was aber überhaupt nicht voran getrieben wird, ist die Verbesserung der Qualität der Plätze.

Genau das aber hat die Bundesregierung nach der Wahl vor vier Jahren versprochen. Mit der sogenannten  „Qualitätsoffensive“ sollte alles besser werden in den deutschen Kindergärten und Kindertagesstätten. Seit dem ZEIT ONLINE Artikel wissen wir: das war eine Lüge. Am 11. Dezember 2014 trafen sich die Ministerpräsidenten aller Länder mit der Bundeskanzlerin und kassierten diese Qualitätsoffensive einfach wieder ein. Klammheimlich, ohne viel Federlesen als nicht veröffentlichter Beschluss dieses Treffens.

ZEIT ONLINE liegt dieser Beschluss der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin im Wortlaut vor und die Redaktion hat ihn nun öffentlich gemacht. Ich zitiere daraus: „Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder fassen folgenden Beschluss:  … 3. Sie nehmen das (…) von der Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Vorsitzenden der Jugend- und Familienministerkonferenz unterzeichnete Communiqué „Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern“ zur Kenntnis, sind aber einig, dass es keiner bundesweiten Standards bedarf.“

Im Klartext: Jeder kann so weiterwursteln wie bisher. Es gibt keine bundesweiten, nachvollziehbaren und damit einklagbaren Qualitätsstandards für Kindertagesstätten und wird sie auch in Zukunft nicht geben.

Nach den Leidtragenden dieses Beschlusses muss man nicht lange suchen. Es sind unsere Kinder. Und es sind die Erzieherinnen und Erzieher, die fast alle gerne jedem Kind gerecht werden möchten. Aber nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, weil die Gruppen und damit ihre Aufgaben einfach zu groß sind.

Über die Gründe für diesen Beschluss kann man nur spekulieren. Die Absicht, Geld zu sparen, wird dabei mit Sicherheit eine Rolle gespielt haben.

Eins aber ist sicher: Wer jetzt noch von Kindertagesstätten als Orte frühkindlicher Bildung faselt und darauf drängt, dass möglichst viele Kinder möglichst früh in die Krippe kommen, um die Chancengleichheit zu ermöglichen, muss unter einer Wahrnehmungsstörung leiden.

Und wenn sich die Bundesregierung und die Länderchefs weigern, einen bundeseinheitlichen Qualitätsstandard für die Betreuungseinrichtungen der kleinsten und schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft einzuführen, gleichzeitig aber Mütter und Väter drängen, so früh wie möglich wieder so lange wie möglich arbeiten zu gehen, um ihre Rente zu sichern und die Sozialkassen zu füllen, ist das nichts anderes als ein politischer Skandal! Und eine Unverschämtheit für alle diejenigen, die gar keine andere Wahl haben, als so früh wie möglich im Job wieder einzusteigen, um das Familieneinkommen zu sichern. Alleinerziehende seien hier als aller erstes genannt.

Dagegen müssen wir uns wehren! Dagegen müssen wir alle etwas tun! Schreibt uns Eure Kita-Geschichten. Schreibt uns unter #kinderinderkita, wie es Euren Kindern jeden Tag ergeht, wie Ihr Eure Kindertagesstätte oder Euren Kindergarten wahrnehmt. Und wenn Ihr selber in einer Kita arbeitet, schreibt uns wie es Euch dort geht und was Ihr Euch wünschen würdet.

Wir sammeln Eure Geschichten und leiten Sie direkt an das Ministerium weiter. Versprochen.

#kinderindiekita

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