Infobox: Fanni & Paul

Familienfreundlichkeit bei der Polizei

Pauls Schichtdienst diktiert den Alltag der ganzen Familien. Am Donnerstag jeder Woche erhält Paul den Dienstplan der darauf folgenden Woche. Das bedeutet im Klartext, dass seine Anwesenheit zuhause wöchentlich wechselt, für Fanni entfällt damit jede verlässliche Planung – ihr Alltag ist mehr oder weniger der einer Alleinerziehenden. Darüber hinaus muss die ganze Familie Rücksicht nehmen auf die Ruhezeiten, die Paul braucht, um sich nach einer Nachtschicht zu erholen. Ein Sonntag kann dann so aussehen, dass Fanni allein mit den beiden Kindern loszieht, damit morgens keiner Krach macht…

Auf der Bewerbungsseite der Bundespolizei werden potentiellen Kandidaten konkrete Angebote zur Vereinbarkeit vorgestellt, darunter eine Mitgestaltung der Dienstpläne. An der Umsetzung scheint es allerdings zu hapern…

Auszug aus der Homepage: „Komm-zur-Bundespolizei.de“:

Die Bundespolizei als familienfreundlicher Arbeitgeber

Wusstest du, dass die Bundespolizei die Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert und jedem dieselben Chancen einräumt? Um dies zu erreichen, spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für uns eine wichtige Rolle. Im Jahr 2014 wurde die Bundespolizei von der Firma Berufundfamilie GmbH erstmals als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert. Damit du Beruf und Familie unter einen Hut bekommst, bietet dir die Bundespolizei eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Um deinen familiären Verpflichtungen bestmöglich nachkommen zu können, kannst du als Beschäftigte/Beschäftigter der Bundespolizei im Rahmen des Tag- und Schichtdienstes deine Arbeitszeiten mitgestalten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, bei Bedarf unterschiedliche und individuelle Teilzeitmodelle in Anspruch zu nehmen.

Da die Bundespolizei ein moderner Arbeitgeber ist, bieten wir dir im geeigneten Arbeitsbereich im Einzelfall oder in Notfallsituationen auch Formen des mobilen Arbeitens an, damit du dein Arbeits- und Privatleben besser organisieren kannst.

Fanni spricht in diesem Zusammenhang eher von Absichtserklärungen, die sich bisher nicht bemerkbar machen. Zumindest gibt es hier und da Teilzeitlösungen wie in Hamburg:

http://www.bundesjustizportal.de/saarland/15-saarland/kramp-karrenbauer-fuer-mehr-familienfreundlichkeit-bei-der-polizei.html

Da die Politik erkannt hat, dass gerade die Polizei auf Nachwuchs angewiesen ist und deshalb auch für Mütter und Väter ein attraktiver Arbeitgeber werden muss, gibt es einzelne „etwas konkretere Absichtserklärungen“…:

http://www.bundesjustizportal.de/saarland/15-saarland/kramp-karrenbauer-fuer-mehr-familienfreundlichkeit-bei-der-polizei.html

 

Frühe Mutterschaft

Fanni erzählt, dass sie in allen Krabbelgruppen oder auch in der Kita immer die jüngste Mutter ist. Tatsächlich scheint bei der Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt der Schwangerschaft die Herkunft eine große Rolle zu spielen. Fannis und Pauls Eltern kommen aus der DDR, beide haben ihre Kinder früh bekommen und gelten damit für das junge Paar als Vorbild „Meine Eltern haben schon bei der Hochzeit gesagt, dass sie bald Großeltern werden möchten.“, sagt Fanni.

Fanni war mit 25 das erste Mal schwanger, also fünf Jahre vor dem durchschnittlichen Erstgebärendenalter in Deutschland. Tatsächlich gibr es bis heute einen Unterschied zwischen alten und neuen Bundesländern, was das Alter der Mütter betrifft:

Im Osten wünschen sich laut Statista 25 Prozent der Befragten (mit Kinderwunsch) ihre erstes Kind zwischen dem 25. Und dem 27. Lebensjahr, im Westen sind es nur 16 Prozent, die in diesem Alter Mutter oder Vater werden wollen.

Zum richtigen Zeitpunkt für das erste Kind – der ja bekanntlich selten planbar und nie der richtige ist – gibt es immer wieder unterschiedliche wissenschaftliche Meldungen.

Die letzte Untersuchung zu dem Thema bescheinigt den älteren Müttern ein höheres Gesundheitsrisiko, aber deren Kindern eine bessere Bildung…

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/langzeitstudie-kinder-profitieren-von-spaeten-schwangerschaften-1.2944968

Fest steht, dass ungewollte Kinderlosigkeit ein wachsendes Problem ist, weil viele ihren Kinderwunsch zu weit nach hinten schieben:

http://www.nzz.ch/schweiz/fortpflanzungsmedizin-die-kinderlosen-ld.11358

 

Kitagebühren – der Wohnort entscheidet über die Kosten

Für Fanni und Paul ist es „nicht nachvollziehbar“ warum sie für dieselben zwei Krippenplätze nur wenige Kilometer entfernt sehr viel weniger bezahlen müssten. Ihr Familieneinkommen wird jeden Monat mit 550 Euro belastet, weil sie das Pech haben in einer der „teuren“ Gemeinden Niedersachsen zu wohnen. In Berlin wären beide Plätze ab Sommer 2016 bzw. mit Beginn des nächsten Jahres gebührenfrei. Das bedeutet: ein Gebrauchtwagen, drei Familienurlaube, eine komplette private Altersvorsorge….

Ein Artikel der ZEIT aus dem Jahr 2013, dessen Fakten immer noch aktuell sind, bestätigt die Willkür bei der Beitragsfestsetzung. Manche Gemeinden verlangen Tausende Euro pro Jahr, andere nichts. Entscheidend ist die Finanzlage der Stadt und die Haltung der jeweiligen Kommunalpolitiker. Selbst Experten haben keinen Überblick über das Kostenchaos. Die Höhe der Gebühren und die Qualität von Krippen und Kitas könnte zu einem zentralen politischen Thema werden.

http://www.zeit.de/2013/35/kinderbetreuung-kitaplatz-kitagebuehren

 

Die Rente der Mütter

Obwohl sich ihr Versdienst kaum rechnet, weil die Betreuungskosten für die beiden Kinder so hoch sind, will Fanni ihren Job nicht aufgeben:

„Man muss ja auch als Frau so ein bisschen an die Zukunft denken, dann will ich vielleicht doch mal in Rente gehen. Diese Einzahlungen gibt mir ja auch keiner oder schenkt mir keiner.“ Viele Mütter denken nicht so weit und haben später das Nachsehen. Die Folgen machen sich als Gender X Gap bemerkbar:

Durch ihre ununterbrochene Erwerbsbiografie erhalten Männer deutlich mehr Altersbezüge. Nach einer aktuellen Studie der des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung klafft weiter eine riesige Lücke zwischen Frauen und Männern, die nur langsam kleiner wird, weil mehr Frauen erwerbstätig sind und Erziehungszeiten besser anerkannt werden.

Als gesetzliche Altersrente erhielten der Studie zufolge Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro. Bei den Betriebsrenten sei der Unterschied noch größer: Männer bezogen hier im Jahr 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld wie Frauen.

Rechnet man alle Alterseinkünfte einschließlich privater Vorsorge zusammen, bekommen Frauen nach Erkenntnissen der Rentenforscherin Brigitte Loose nur 43 Prozent der Bezüge der Männer.

Eine kleine Anfrage  der Grünen- Bundestagsfraktion aus dem Jahr 2015 brachte das  gleiche Ergebnis. Die Lücke bei der gesetzlichen Rente zwischen Männern und Frauen beträgt 57 Prozent. Bei der betrieblichen Altersvorsorge lag sie sogar bei 79 Prozent und bei der privaten Altersvorsorge bei 70 Prozent. Insgesamt ergibt sich nach den zuletzt verfügbaren Daten von 2011 eine Rentenlücke von 60 Prozent.

Die Rente ist vor allem im Westen umso geringer, je mehr Kinder eine Frau hat. Eine Frau mit zwei Kindern bekommt über 30 Prozent weniger Rente als eine Kinderlose. Die Lücke ist bei verheirateten Frauen besonders groß, im Westen liegt sie sogar bei 67 Prozent. Bei ledigen Frauen ist die Rentenlücke dagegen so gut wie verschwunden.

Aufgrund der Ergebnisse warnt sogar das Ministerium davor, bei der Rente auf den Gatten zu vertrauen: Die alleinige Altersabsicherung über den Ehepartner habe aufgrund der Vielfalt familiärer Lebensformen, der steigenden Scheidungsquoten und des Umstandes, dass Erwerbsbiografien instabil verlaufen können, „an Bedeutung verloren“.

Oder, wie es Fanni ausdrückt: Man muss auf eigenen Beinen stehen können. Eine Garantie, dass so eine Ehe oder eine Liebe ein ganzes Leben lang hält, hat man sowieso nie.“

Auch die Hausarbeit entscheidet am Ende über die Altersvorsorge

Den größten Einfluss auf den Erwerb und die spätere Rente hat nach wie vor die paarinterne Aufteilung der Hausarbeit. Wie die FAZ im Sommer letzten Jahres – wenig überraschend – berichtete,  sind es überwiegend die Frauen, die sich auch um die Familienarbeit kümmern, um Kinder und Haushalt. Weitaus häufiger als Männer treten sie dafür auch beruflich kürzer, arbeiten nicht mehr den ganzen, sondern den halben Tag oder vier statt fünf Tage in der Woche. Diese Teilzeitmodelle haben allerdings vor allem unter Führungskräften keinen guten Ruf. Noch immer werde der Wunsch, in Teilzeit zu arbeiten, als Signal gewertet, dass für den Arbeitnehmer etwas anderes wichtiger sei als der Job. Unabhängig vom Geschlecht, würden Eltern im Hinblick auf Commitment, Leistungsmotivation und Verlässlichkeit niedriger eingeschätzt. „Insbesondere Mütter werden aber auch als weniger kompetent beurteilt.“ Hinzu komme natürlich, dass Teilzeitkräfte, egal, ob männlich oder weiblich, an bestimmten „sozialen Events“ innerhalb des Unternehmens nur eingeschränkt teilnehmen könnten – sei es auch lediglich der längere Plausch in der Kaffeeküche oder während der Zigarettenpause. All dies führt dazu, dass Teilzeitkräfte am informellen, aber wichtigen Informationsfluss innerhalb der Unternehmen nur begrenzt teilhaben, dass ihre Netzwerke weniger ausgebaut sind, was beispielsweise ihre Aufstiegschancen einschränkt. Und das, obwohl diverse Studien schon gezeigt haben, dass Teilzeitkräfte sogar effektiver arbeiten als in Vollzeit Beschäftigte: Wer weiß, dass ihm weniger Zeit bleibt, nutzt diese Zeit oft sinnvoller und führt eben weniger Kaffeegespräche.

An solchen Vorurteilen lässt sich ja theoretisch etwas ändern, nur leider nicht an den Renteneinzahlungen. Es gibt inzwischen aber viele Paare, die diesen Nachteil ebenfalls intern ausgleichen und einen Teil des Familieneinkommens für die Altersvorsorge der Teilzeit arbeitenden abzweigen und beispielweise in eine private Zusatzrente stecken.

Ein Interview mit einer unabhängigen Beraterin, die Tipps gibt:

http://www.kidsgo.de/familie-muetter-07/altersvorsorge-frauen.php

Einschätzungen zur Beratungsbranche:

http://www.sueddeutsche.de/geld/private-altersvorsorge-woran-erkenne-ich-eine-gute-beratung-1.1612528

http://www.handelsblatt.com/finanzen/ratgeber/altersvorsorge/anlaufstellen-wie-sie-einen-rentenberater-finden/4019652.html

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