Infobox: Das Leid mit der lieben Hausarbeit

Uwe ist ein moderner, weltoffener Papa und weit entfernt davon, ein Chauvi oder Macho zu sein. Er liebt die Kinder und das Familienleben und nimmt rege an allem Anteil. Die Zügel aber hält Kathrin in der Hand – vor allem für den Haushalt, Wäsche usw. Und das obwohl sie mit 5 Kindern 30 Stunden die Woche arbeitet.

Beide sehen das als eine „Typ“-Frage….

Es liegt allerdings nahe, dass es sich hier um eine Genderthema (herrliches Wort!) handelt, denn mit dieser klassischen Aufgaben-Aufteilung sind die beiden nicht allein.

In einer aktuellen Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2016 zum gleichen Thema wird deutlich: Erwerbstätige Frauen, die mit ihrem ebenfalls erwerbstätigen Partner in einem Haushalt leben, leisten in Deutschland im Durchschnitt wesentlich mehr Hausarbeit und kümmern sich länger um die Kinder als ihre Partner.

 

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Das ist selbst dann der Fall, wenn die Frau einen Vollzeitjob hat. Auf Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-ökonomisches Panel (SOEP) hat die DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies, Elke Holst, herausgefunden, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Hausarbeit und Kinderbetreuung zwar leicht zurückgehen, Frauen in Paarhaushalten aber durchschnittlich definitiv noch immer deutlich mehr leisten als ihre Partner.

 

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Erschwerend hinzu kommt, dass a) 70 Prozent aller Mütter arbeiten und weitere 70 Prozent aller berufstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten, um Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Dadurch wird die Rollen- und Aufgabenverteilung zementiert, da bei beiden Partnern der Eindruck entsteht, es sei somit bei den Frauen genügend Zeit vorhanden, sich alles zu kümmern und alles im Blick zu behalten, was Kinder, Haushalt und Soziale Kontakte der Familie betrifft.

 

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Bei einer Umfrage unter 500 Usern, die family unplugged selbst durchführte, gaben getrennte wie zusammenlebende Paare bzw. Teilnehmer an, dass das Thema Aufteilung der Hausarbeit und Zuständigkeit für die Kinder DAS größte Streithema ist (bzw. bei Trennung war) bzw. ein Mitgrund  für die Trennung.

In Deutschland wird nahezu jede zweite Ehe geschieden. In über 70 Prozent der Fälle sind es die Frauen, die die Scheidung einreichen.

Michael Rosenfeld von der Standford University, der seit Jahren in großem Stil auf diesem Gebiet in den USA forscht, vermutet, dass es an den traditionellen Rollenbildern liegt, die nach einer Hochzeit womöglich eher gelebt werden als davor. „Ich denke, dass sich die Ehe als Institution nicht schnell genug verändert hat, um die Erwartungen an Gleichberechtigung zu erfüllen“, sagte er auf der Jahrestagung der American Sociological Association in Chicago 2015, wo er die Studie vorstellte.

So würden seine Daten auch zeigen, dass der Ehemann noch immer von seiner Frau erwartet, die Hauptlast der Kindererziehung und Hausarbeit zu tragen – beziehungsweise sie einfach nicht selbst übernimmt. Die Ehe brächte damit für Frauen in dieser Hinsicht mehr Nachteile als Vorteile, während die Männer klar von der Ehe profitierten.

Hier bleibt allerdings anzumerken: Kathrin hatte zuvor einen Mann, der sich vorbildlich in alles mit eingebracht hat, früh zu Hause war und dort auch viel abnahm. Dennoch hat ihre Liebe nicht gehalten. Zwar musste Kathrin sich durch das Zusammenleben mit Uwe deshalb stark umstellen, aber sie ist dennoch heute in der Summe glücklicher.

Was uns das sagt? Keine Ahnung. Dass individuelle Gefühle sich nicht in Zahlen und Statistiken pressen lassen vielleicht?

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