Infobox: Annika und Christian

Annika hat eine sogenannte Grundqualifizierung zur Tagesmutter abgeschlossen, die in NRW rund 160 Unterrichtsstunden umfasst. Grundvoraussetzung dafür ist, mindestens einen Hauptschulabschluss zu besitzen und über gute Deutschkenntnisse zu verfügen. Wenn man bereits eine pädagogische Ausbildung absolviert hat, kann die Qualifizierung verkürzt werden. Annika hat auch die räumlichen Voraussetzungen, um Tageskinder zu betreuen: Es müssen kindgerechte und sichere Räume vorhanden sein, genug Platz zum Spielen und Schlafen sowie für die tägliche Pflege der Kinder.

Als Tagesmutter kann sie maximal fünf Tageskinder betreuen. Problematisch war diese Tätigkeit in der Vergangenheit dann für Annika, wenn sie selbst einmal krank war. Den Druck, den die Eltern bei der Arbeit haben, bekam sie als Tagesmutter ab – sie kämpfte sehr mit dem Gefühl, eigentlich gar nicht krank werden zu dürfen, weil sie sonst bei den Eltern Riesenprobleme verursachen würde. Während der Schwangerschaft mit ihrer Tochter musste sie ihre Tagesmutter-Tätigkeit sogar wegen gesundheitlicher Probleme früher aufgeben als geplant. Für sie ein Riesendilemma, weil sie die Kinder schnell woanders unterbringen musste – und dazu kam, dass, weil sie selbständig ist, sie ab dem Zeitpunkt gar kein Einkommen mehr hatte.

Ein finanzielles Problem für die Familie, weil Christian, der bei einer Landwirtschaftskammer angestellt ist, nur eine 80% Stelle hat. Er hatte reduziert, um Annika bei der Arbeit mit den beiden gemeinsamen Kindern unterstützen zu können – und auch ihre Berufstätigkeit als Tagesmutter. Christian ist damit ein immer noch seltenes Exemplar. Denn während in Deutschland 58% der Frauen in Teilzeit tätig sind (Stand 2014), sind es gerade mal 20% Männer. Und bei diesen Männern stehen in der Regel andere Gründe als die Familie im Vordergrund der Arbeitszeitreduzierung. Gerade mal 6% aller Väter mit minderjährigen Kindern arbeiten Teilzeit. Dafür aber 69% der Mütter.

Christian ist aber optimistisch, bei seinem Arbeitgeber notfalls auch kurzfristig wieder auf eine 100%-Stelle wechseln zu können, wenn es finanziell nötig ist. Er hat das große Glück, dass es bei der Landwirtschaftskammer durchaus üblich ist, dass hier viele Männer in Teilzeit arbeiten, weil viele noch eine eigene Landwirtschaft nebenbei haben. Männer in Teilzeit sind hier ausnahmsweise ganz normal.

http://www.landesverband-kindertagespflege-nrw.de/index.php?article_id=22

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-07/teilzeitquote-maenner-frauen-infografik

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