Höher, schneller, weiter: der Kindergeburtstags-Wahnsinn

Höher, schneller, weiter: der Kindergeburtstags-Wahnsinn

Gastbeitrag von Lempi, Ich Bin Dein Vater-Blog

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Kürzlich fiel mir eine Kindergeburtstags-Spezialausgabe des lokalen Familienmagazins in die Hände: Auf 32 dicht bedruckten Seiten präsentieren sich Event-Locations und Geburtstagsplaner für perfekt organisierte gute Laune in Zoo, Museum oder Töpferwerkstatt. Eine ganze Kindergeburtstagsindustrie hat sich etabliert. Geld spielt dabei nur insofern eine Rolle, dass erfahrene Väter hinter vorgehaltener Hand und mit schweißnasser Stirn davon berichten, dass sie schon sechs Monate vorm Event damit anfangen, Geld beiseite zu legen, um 20 Teenager ganztägig im Familienbad bespaßen zu können.

 

Wann sind simple Kindergeburtstage eigentlich zu minutiös geplanten Motto-Partys mit durchgehendem Animationsprogramm mutiert? Wer hat mit den hochgerüsteten Groß-Events in eigens aufgebauten Zeltstädten angefangen? Und was stellen Eltern für einen Teeny zum Geburtstag auf die Beine, dem sie schon im Kita-Alter einen ganzen Indoor-Spielplatz gemietet haben? Engagieren die dann Justin Bieber für einen Überraschungsauftritt?

 

Kindergeburtstag, das bedeutet mittlerweile bis in den letzten Winkel durchgestylte Super-Mario-, Prinzessin-Lillifee- oder Capt‘n Sharky-Einfamilienhäuser, die darauf warten, von einer reizüberfluteten Kleinkinder-Horde in Schutt und Asche gelegt zu werden, während sich – die natürlich ebenfalls eingeladenen – Mamas und Papas nebenan selbstgebackene Cupcakes in ihren Chai-Latte tunken. Als Gastgeber will man sich ja schließlich nichts nachsagen lassen!

 

Um die Qualität des Unterhaltungsprogramms nicht dem Zufall – odzier gar der kindlichen Kreativität – zu überlassen, werden Clowns, Zauberer oder Märchenerzähler engagiert. Alternativ stellt man sich einfach eine riesige Hüpfburg in den Vordergarten oder feiert direkt auswärts. Als würde die Latte der kindlichen Erwartungshaltungen mit so einem Programm nicht schon ohnehin in unermessliche Höhen geschraubt, setzt sich das Ganze beim Thema Geschenke fort: Die ausschließlich „richtigen“ Geschenke packt das Kind nämlich einfach selbst im nächstgelegenen Kaufhaus in seine Geburtstagskiste. Damit aber wirklich niemand Verzicht lernen muss, werden auch die Geschwister des Geburtstagskinds reichlich bedacht und alle Gästekinder bekommen zum Abschied natürlich eine bis zum Bersten gefüllte Goodie Bag.

 

Mein Entschluss steht: Ich mache da nicht mit! Abrüstung ist angesagt – back to the roots! Kindergeburtstag, das bleiben für mich die einfachen Freuden: Dicke Torte, Topfschlagen und Stopp-Tanzen. Eierlaufen, Dosenwerfen und Schnitzeljagd. Die Gästezahl entspricht dabei maximal dem Lebensalter des jungen Jubilars und Eltern müssen leider draußen bleiben. Und von der gesparten Kohle gönnen wir Eltern uns dann eine feine Auszeit vom Alltag: Ich habe gehört, dass es jetzt auch Agenturen gibt, die so etwas für einen organisieren…

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