Hintergrund: Uwe (40) & Kathrin (40)

Uwe und Katrin sind Eltern einer großen Patchworkfamilie.

Sie haben insgesamt 5 Kinder: Noa (14), den Uwe aus erster Ehe mitgebracht hat. Mia (13) und Vin (11), die Kathrin aus erster Ehe mitgebracht hat und Emi (5) und Lou (2) – Kinder, die Uwe und Kathrin dann nochmal gemeinsam „nachgelegt“ haben.

Kennengelernt haben die beiden sich vor einigen Jahren in Uwes Werkstatt. Kathrin und ihr Mann hatten sich damals getrennt und Kathrin (gelernte Tischlerin) jobbte auf Vermittlung Ihrer Schwester bei Uwe, um über die Runden zu kommen.

Da Uwe auch frisch getrennt war, kamen die beiden schnell ins Gespräch über all die Themen die damit zusammenhängen: vor allem den Umgang mit den Kindern.

Kathrin und ihr Mann hatten sich im Guten getrennt und konnten recht schnell wieder miteinander über die Kinder sprechen; auch hatten sie von Anfang an das Wechselmodell, so dass der Vater die Kinder die halbe Woche hatte, die damals noch sehr klein waren.

Bei Uwe hingegen ging gar nichts. Die Verletzungen auf beiden Seiten waren zu groß, als das die Besuchsregelungen einfach von der Hand gegangen wären. Es dauerte Jahre bis es einigermaßen lief; nach ständigen mühsamen Verhandlungen über das Jugendamt usw..

Jahre, in denen es auch für den kleinen Noah sehr sehr schwer war, guten Kontakt zu seinem Vater zu haben. Irgendwann gab Uwe quasi auf und überließ es komplett dem Jungen, wann er kommen wollte. Er hatte das Zwanghafte satt und fand, sein Sohn sei jetzt alt genug, selbst zu entscheiden und durchzusetzen was er wollte. Für Noah nicht leicht, sich in dieser Situation zu emanzipieren, aber es gelang tatsächlich. Jetzt kommt er einfach, wann immer er möchte zu Kathrin & Uwe und dem Rest der Familie – und das ist oft. Die Tür steht ihm immer offen, er teilt sich das „Jungszimmer“ mit Karins Sohn Vin aus erster Ehe.

Überhaupt sind die Kinder gewissermaßen auch Stifter der Ehe von Kathrin und Uwe gewesen, denn sie verstanden sich vom ersten Moment an an sehr gut. Der Hauptproblempunkt in vielen anderen Patchworkfamilien ging hier – und das ist einfach Glück – irgendwie reibungslos vonstatten.  Die großen Kinder mochten sich einfach. Klar, dass den beiden Eltern die Entscheidung für weitere Kinder leichter fiel.

Für Kathrin ist diese Entwicklung ganz wichtig gewesen, denn sie ist selbst ein Scheidungskind und hat sehr unter der Scheidung ihrer Eltern gelitten. Sie und ihre Schwester waren damals beim Vater geblieben, weil er Besitzer des Familienhaues war und die Mutter die Kinder nicht aus der vertrauten Umgebung reißen wollte. Die Kinder aber mussten dadurch zu früh viel Verantwortung übernehmen, worunter beide sehr litten. Kathrins Verhältnis zu ihrer Mutter ist heute dennoch gut. Als ihre eigenen Ehe dann in die Brüche ging, hat Kathrin sich nach all dem Erlebten aber sehr bemüht, ihre Kinder besser aufzufangen als es bei ihr damals der Fall war. Sie wich keiner Frage aus, sondern versuchte sie bestmöglichst und altersgerecht zu beantworten.

Natürlich wurde das alles sehr erleichtert dadurch dass der Vater der Kinder sich von Anfang an sehr in deren Erziehung eingebracht hat und das auch bis heute mit großer Selbstverständlichkeit und großem Einsatz tut.

Die neue Patchwork-Familie lebt in Nordrhein Westfalen eher ländlich in einem Haus, das ursprünglich Uwes Eltern gehörte. Uwe aber, der Schiffsbauer und handwerklich sehr geschickt ist, hat es im Grunde zu Ende gebaut.

Die Familie bewohnt jedoch nicht das ganze Haus. Sie ist ganz bewusst in die erste Etage gezogen und vermietet den Bereich unten. Damit haben sie nicht nur kaum Wohnfixkosten, sondern auch noch eine kleine Einnahmequelle aus der Vermietung – das nimmt etwas den ständigen finanziellen Druck.

So leben sie jetzt zu siebt auf 150 (sehr schönen) Quadratmetern, die Kathrin neben ihrem dreissig Stunden Job haushälterisch leidlich bewältigen kann – unter Mithilfe der Kinder. Es gibt keine Putzfrau, sondern einen Puztplan, bei dem alle ihre Aufgaben haben. Natürlich läuft das nicht immer glatt, aber auch die Kleinsten haben darin schon Aufgaben.

Uwe hilft zwar –  vor allem bei den Kindern  – viel mit, weil es ihm auch Spaß macht.

Beide geben aber zu, dass „Haushalt nicht so sein Ding“ sei. Auch hat er „nicht so den Draht“ dazu, Urlaub zu buchen oder ähnliches. Beide können darüber lachen.

Aber Kathrin ist somit die klassische Teilzeit arbeitende Mama mit einer immensen Doppelbelastung. Auf dem Sofa fallen ihr deshalb abends schlicht regelmäßig die Augen zu – zumnal sie jetzt im Gartenbau arbeitet und das auch körperlich sehr anstrengend ist.  Um halb acht Arbeitsbeginn….

Sind die Kinder krank, bleibt meist sie zu Hause. Uwe versucht aber, das auszugeichen oder mal aushelfen, bis Kathrin um zwei von der Arbeit kommt, damit sie nicht jedes Mal frei nehmen muss.

Aber natürlich lebt auch Uwe nicht ohne Druck als Selbstständiger. Vor der Finanzkrise lief es gut mit dem Schiffsbau, aber die goldenen Zeiten für kleine, selbstständige Schiffsbauer sind vorbei.

Uwe hat Gott sei Dank rechtzeitig erkannt, dass der Trend schwer umkehrbar sein wird und hat sich radikal auch in der Firma verkleinert. Er hat sich nicht lange mit Eitelkeiten aufgehalten, sondern sich klar gemacht: Familie ist am wichtigsten  – das heißt: Es muss einfach Kohle her. Selbstverwirklichung kommt später. Also repariert er jetzt Schiffe statt selbst welche zu bauen, was sich natürlich irgendwie besser erzählen ließe.

Hilfreich für das Gelingen der Patchworkfamilie ist, dass beide getrennten Elternteile nur nur circa 10 Autominuten von Kathrin und Uwe entfernt leben. Sonst wäre das Wechselmodell und die Arbeitsteilung unter den Eltern gar nicht machbar . So werden auch Elternabendbesuche etc aufgeteilt. Dennoch ist es ein unglaublicher Organsisationsaufwand alles beisammen zu halten. Ständig bleiben Schulhefte und Sportschuhe irgendwo liegen und müssen hin und her kutschiert werden.

Dennoch, auch wenn es am Anfang arg geholpert hat: Jetzt schient es wirklich gut zu laufen. Ein Positivbeispiel für eine Patchworkfamilie also.

Bleibt einem nur die Daumen zu drücken, dass Kathrin nicht eines Tages unter der Doppelbelastung in die Knie geht….

 

 

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