Hintergrund: Svea, Ärztin, 3 Kinder, alleinerziehend

Dass Svea heute Mutter von drei Kindern ist, hat viel damit zu tun, dass die Ärzte der Meinung waren, sie und ihr Mann könnten keine Kinder bekommen. Auf Ihre erste Tochter haben sie zwei Jahre gewartet, Nele, ein „Sechser im Lotto“ wie die Ärzte meinten. Dass sie trotzdem ein zweites Kind erwartet, hat Svea erfahren, als sie gerade in einer Gemeinschaftspraxis eingestiegen war. Im ersten Moment war sie von der Nachricht überfordert und traute sich kaum, ihre neuen Kollegen davon zu erzählen. Dann überwog schnell die Freude, denn sie hatte sich schon von weiteren Kinderwünschen verabschiedet, angesichts der medizinischen Fakten… Vier Monate nach der Geburt hat sie wieder angefangen zu arbeiten, weil sie sonst den Kassensitz verloren hätte. „Ich hatte eigentlich nie den Plan eine berufstätige Mutter zu werden. Wenn Ole genug Geld verdient hätte, wäre ich gern zuhause geblieben. Aber ich hatte nie eine andere Wahl.“ Auch darüber, dass Mads mit viereinhalb Monaten in die Krippe gehen würde gab es nie Diskussionen, denn obwohl Ole – als selbstständiger Designer – sehr viel schlechter verdiente als Svea, war es für ihn nie eine Option auszusetzen und die Kinder zu versorgen. Svea nahm es ihm unbewusst übel, dass er nie die Rolle des „Familienernährer“ übernommen hat. Es gab immer öfter Streit, vordergründig über das Geld. „Ich fühlte mich allein gelassen. Ich musste für das Geld gerade stehen und trotzdem die Wäsche machen und kochen.“ Die dritte ungeplante Schwangerschaft war für beide zunächst ein Schock, auch wenn das Kind willkommen war. In dieser Zeit begannen die beiden eine Paartherapie. Aus Sveas Sicht haben die Gespräche kaum etwas verändert. Sie ist irgendwann ausgestiegen und Ole hat eine eigene Therapie angefangen.

Svea hat lange durchgehalten. Als dreifache Mutter, als Ärztin mit eigener Praxis, als diejenige, auf der irgendwann die Verantwortung für die gesamte Familie lastete. Sie finanzierte den Kredit fürs Reihenhaus, die Urlaube, sie organisierte den Alltag – von den Hausaufgaben bis zu den Geschenken für den Kindergeburtstag. Nachdem er als Designer erfolglos blieb, machte sich Ole mit einer eigenen Eisproduktion selbstständig. Er verließ frühmorgens das Haus um seine Läden zum Laufen zu bringen und kehrte meistens erst zum Abendessen zurück – das Svea vorbereitet hatte. Am Samstag und Sonntag war er ebenfalls unterwegs und in den Frühlings oder Sommerferien konnte er nie Urlaub machen, weil diese Wochen den meisten Umsatz brachten. Svea verbrachte die Wochenenden allein mit den Kindern, die meisten Urlaube auch. Nach fast zwei Jahren stellte sich heraus, dass die Läden nie profitabel sein würden. Ole war zwar sehr kreativ und fleißig, aber der betriebswirtschaftliche Teil seiner Geschäftsideen hat ihn völlig überfordert, die wachsenden Schulden hat er Svea verschwiegen. In den wenigen gemeinsamen Stunden gab es jetzt ständig Streit – übers Geld, über seinen nonstop Arbeitseinsatz, der zu nichts führte, über die Tatsache, dass es kaum noch ein Familienleben gab. Svea trug sich fast zwei Jahre mit Trennungsgedanken, am Ende war es Ole, der den Schlussstrich zog.

Diese Vorgeschichte ist ein Teil ihres heutigen Glücks, denn Svea hat als Alleinerziehende „ein besseres Leben“ wie sie es ausdrückt. Sie hat jetzt jedes zweite Wochenende ganz für sich, kann reiten, joggen gehen, Yoga machen oder bis in die Morgenstunden lesen. Sie wohnt weiter in dem gemeinsamen Haus, die Nachbarn und Freunde sind dieselben, die Freunde ihrer Kinder leben alle in der „Siedlung“. Es gibt inzwischen einige alleinerziehende Mütter dort. Wenn ihr Ex sie hängen lässt oder wenn es Schulstress gibt, kann sie jederzeit bei einer Nachbarin klingeln und bekommt ein Glas Rotwein – und umgekehrt. Die Beziehung zu den Paaren in der Siedlung hat sich nicht verändert, auch wenn man nicht ganz dieselben Sorgen teilt. Svea fühlt sich angenommen und genießt die Unterstützung in „ihrer Siedlung“. Ganz im Gegensatz zu vielen alleinerziehenden Mütter aus ihrem Bekanntenkreis, die zentral in der Stadt leben und oft vereinsamen, weil sie von ehemals befreundeten Paaren kaum noch eingeladen werden. Das soziale Netzwerk um sie herum, die Tatsache, dass die Kinder so gut verdrahtet sind, hat sie gerettet, wie sie sagt. Ihr berufliches Leben ist härter als vorher, weil sie zusätzliche Notdienste nachts und am Wochenende übernehmen muss, um die Raten für den Hauskredit weiter zahlen zu können. Es ist trotzdem einfacher für Svea, „nichts mehr zu erwarten“ von ihrem Ex. Inzwischen ist sie glücklich geschieden und hat einen neuen Partner, eine Fernbeziehung. Und sie genießt die Abende und Wochenenden mit ihren Kindern: „Ich erlebe die Zeiten mit den Kindern intensiver. Auch weil ich mir mehr Zeit für mich nehme und viel entspannter bin als früher. Die ständigen Enttäuschungen fallen weg. Ich merke jetzt erst, wie viel Kraft für diesen ganzen Frust drauf gegangen ist.“

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