Hintergrund: Silke & Karsten

Seit 24 Jahren sind die beiden ein Paar. Neun Jahre haben sie ausprobiert, ob sie für immer ein paar werden wollen, dann geheiratet.

Silke sagt: „Ich habe ganz bewusst den Namen angenommen, denn ich wollte zeigen: Das ist meiner, bei dem bleib ich jetzt.“

Auch für Karsten war der Schritt wichtig: „Es ist mehr Verantwortung und ich wollte das genauso: Wissen, dass man nicht einfach sagen kann – mir reicht es jetzt ich haue ab, sondern: Wir müssen reden.“

Und dieses Geheimrezept hat die beiden schon durch Einiges getragen.

Ursprünglich haben beide im Buchhandel gearbeitet, doch dann  beschloss Silke: „Das kann es noch nicht gewesen sein; ich will mehr!“ – und begann, Psychologie zu studieren.

Parallel jedoch musste sie weiter halbtags im Buchhandel arbeiten, Karsten weiter Vollzeit, um das Familieneinkommen weiter zu sichern. Eine kräftezehrende Zeit, in der auch noch dauernd Geldsorgen drückten. Schließlich nahm Silkes Vater sich ein Herz und unterstützte die beiden monatlich, damit Silke in Ruhe zu Ende studieren konnte.

Als es endlich geschafft war, war für beide klar: Es reicht in der Großstadt und im vierten Stock, jetzt geben wir uns das Kontrastprogramm – und zogen nach Ostfriesland aufs Dorf. Das ist für beide bis heute eine richtige Entscheidung gewesen.

Dennoch geben sie zu, dass es nicht ganz einfach ist, in eine alteingeschworene  Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden und nicht zuletzt: dass die Infrastruktur für Kinderbetreuung in Berlin natürlich deutlich besser ist.

In Ostfriesland ist alles darauf ausgelegt, dass die Mütter nur bis 12 Uhr arbeiten und die Kinder dann zu Hause essen. Das heißt konkret: Es gibt nahezu keine durchgehenden Kindergärten.

Silke fand dann trotzdem einen für Ida, aber die bekam natürlich mit, dass nahezu alle anderen Kinder Mittags abgeholt wurden. Für Silke war es nicht leicht, den Vorwürfen der kleinen süßen Ida standzuhalten. Doch sie hatte ihre Mutter vor Augen, die in ihrer Kindheit als Hausfrau sehr unglücklich war – für sie war klar, dass sie nach dem anstrengendem Studium jetzt auch durchstarten wollte.

Doch auch das ging nicht ganz so glatt wie erhofft: Denn im Job an der Ostfriesischen Küstenklinik kam es zu solchen Verwerfungen, dass Silke sich schließlich krankschreiben lassen musste. Der Stress mit dem Arbeitgeber hatte sie fix und fertig gemacht. In dieser Zeit hatten die beiden es auch als Paar nicht leicht, denn natürlich nahm Silke den Frust mit nach Hause. Heute hat sie einen neuen Job – und es geht den beiden wieder sichtlich gut.

Aber unterdes war Karsten gekündigt worden, der bis dahin als Verteuert für Kinderbücher und Geschenkartikel gearbeitet hatte. Nun hat er das Schicksal „einfach“ beiden Hörnern gepackt  und macht sich selbstständig in genau der gleichen Branche.

Silke arbeitet 25 Stunden und macht jetzt noch eine Weiterbildung, Karsten Vollzeit und ist ständig unterwegs, so dass Silke planen muss wie eine Alleinerziehende. Hinzu kommt, dass sie letztendlich auch den Haushalt allein schmeißt – zumindest was das organisatorische betrifft: Karsten hilft bei allem mit, wenn er da ist – aber den Überblick was wann gemacht werden muss, hat Silke. Miro braucht noch ein Geschenk für den Kindergeburtstag, Ida muss zum Kieferorthopäden, der Hund zum Tierarzt und was machen wir eigentlich in den Ferien???? – alles Silkes Beritt. Kommt das jemandem bekannt vor?

Um es dennoch irgendwie zu schaffen, hat sie Abstriche gemacht: der Garten verwildert verwunschen, die Wäsche wird hübsch zusammengelegt statt gebügelt, Kuchen backen ja, Kuchen beim Basar mitverkaufen Nein. Es geht nicht alles – damit sind die beiden bisher gut gefahren. Den Babysitter haben sie seit zwei Jahren nicht mehr angerufen – „scheint uns irgendwie nicht zu fehlen“, sagt Silke. „Wir kriegen auch so hin, dass es sich immer wieder gut anfühlt. Mit Reden.“

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