Hintergrund: Maren & Maik

Die Betreffzeile in der Mail, die uns erreichte, bringt die Situation von Maren und Maik in einem Satz auf den Punkt: „Großfamilie als Akademikerin – immer am Rande zum Stigma der „Asozialen““
Beim Besuch des Family-unplugged Teams war Maren noch hochschwanger, inzwischen ist die Familie zu siebt.

Diese „Geburtsanzeige“ erreichte uns wenige Monate nach dem Dreh:
Michel Hannes haben wir dann am 15.9. mit sanfter Gewalt vom Auszug überzeugt, nachdem er bereits 10 Tage über Termin war. Aber über 3 Stunden Geburtsdauer und Verlassen des Krankenhauses nach 3 weiteren Stunden (uns ging es beiden bestens) kann ich wirklich nicht meckern! Michel war 3940 g schwer, 56 cm lang und mit einem KU von 37,5 cm ein echter „Dickschädel“!

Mit ihren fünf Kindern von 8 Monaten bis 9 Jahre leben Maren und Maik im dörflichen Stadtteil einer Studentenstadt in Niedersachsen. Die ersten 3 Kinder hat Maren noch im Studium (Humanmedizin) bzw. im Praktischen Jahr bekommen. Damals wollte sie noch alles auf einmal, wie sie sagt: Ehe, viele Kinder, einen erfüllenden Job, ein kleines eigenes Haus und am liebsten mehr als nur eine schwarze Null auf dem Konto. Irgendwann in der fünften Schwangerschaft fing sie letztlich doch an, an diesem Multimodell zu zweifeln, vor allem, weil sie die Erfahrung machen musste, dass sie wegen der vielen Kinder zunehmend gesellschaftlich angefeindet wurden. Die komplizierte finanzielle Situation und der zeitliche Dauerstress macht ihr ebenfalls zu schaffen. Maik (42) verdient in Vollzeit als Designer „normal“, Maren (34) arbeitet Teilzeit und untertariflich als Ärztin. Ständig sei sie auf der „Jagd“ nach Anerkennung, beruflich UND privat, sagt Maren, und fühlt sich manchmal „wie im Hamsterrad ohne Aussicht auf Veränderung oder Verbesserung. Der ganz normale Wahnsinn halt.“

Maren fühlt sich mit ihrer großen Kinderzahl in Deutschland diskriminiert. Auf den ersten Blick wird ihr oft automatisch unterstellt, dass sie und ihre Familie von Hartz IV leben, einfach weil sie fünf Kinder haben: „Und da ist es dann auch völlig egal, ob man sagt: Entschuldigung, ich hab studiert und sorge für meinen Lebensunterhalt vollständig selber.“

Auch bei Bewerbungen hat sich ihr Gegenüber aufgrund der Kinderzahl oft irritiert gezeigt: „Wenn ich mich als Frau bewerbe irgendwo, gerade als Ärztin, dann kommt die Frage: Sie haben ja so und so viel Kinder. Zu dem Zeitpunkt waren es ja vier und bei der Arbeitsstelle davor drei; „Die sind ja dann auch sehr arbeitsintensiv“ meinte zum Beispiel ein leitender Arzt einer Klinik zu mir. Mir ist wirklich die Hutschnur geplatzt weil er mir unterstellt hat, nur weil ich kleine Kinder habe, könnte ich nicht produktiv arbeiten.“

Unterstellt wurde ihr auch, dass die Kinder ständig krank sein würden und sie in der Folge auch. Das Vorurteil hat sich sogar gehalten, auch wenn die Fakten klar dagegen sprachen: „Tatsächlich war es so, dass ich selbst mit 4 Kindern weit weniger krank war als alle anderen jung dynamischen Single-Kollegen. Ich habe in ein oder zwei Jahren vielleicht ein oder zwei Tage gefehlt.

Die Familie muss jeden Cent umdrehen, obwohl beide trotz der fünf Kinder arbeiten. „Finanziell wäre es wohl am schlausten“, meint Maren, „wenn ich einen Vollzeitjob hätte.“ Aber Maren kann sich nicht vorstellen, ihre Kinder jeden Morgen von halb acht bis fünf Uhr am Nachmittag abzugeben: „Ich hätte so ein bisschen Panik, den Anschluss zu verpassen, wenn ich so spät nach Hause komme und dann irgendwie noch die Hausaufgaben gezeigt kriege und der Tag ist schon wieder rum – dann krieg ich zu wenig von meinen Kindern mit.“

Das Feedback der Kinder, die vielen kleinen liebevollen Momente sind für Maren die größte Motivation für ihr Lebensmodell. „Wenn man es ganz fair rational aufteilen würde – was ist schön und was ist schlecht, dann würde ich mich vielleicht im Minus bewegen – rational. Aber das ist ja wie irgendwelche Urlaube, man erinnert sich lieber an das Schöne, und dann wird das Gesamtbild wieder rund. Ich genieße es, die Kinder aufwachsen zu sehen. Mit dem Ältesten verbringe ich jetzt schon fast neun Jahre meines Lebens, die Erinnerung daran, wie es war als er klein war – und weißt du noch, was der da gemacht hat und war das nicht lustig? Zu sehen, was für Fortschritte sie machen – das finde ich total spannend!“

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