Hintergrund: Annika & Christian

Annika und Christian mit Tjorben, 2 J., und Lauren 3 J., das dritte in Arbeit…

Annika und Christian haben sich im Studium kennen gelernt, waren zusammen in Neuseeland und danach entschieden, zu heiraten. Beiden war klar, sie wollen eine Familie. Also haben sie nicht lange gewartet, das erste Kind bekommen, ein Haus gekauft und das zweite Kind bekommen.

Das dritte ist unterwegs – und war eine „Herzensentscheidung“. Beide sagen, dass sie sich dabei eher von Gefühlen als von anderen Überlegungen leiten ließen. Familie steht für beide absolut im Mittelpunkt. Darum hat Christian als fest angestellter Gemüsebauberater für Landwirte auf 80 Prozent, also vier Tage die Woche reduziert, um nicht der Vater zu sein, der später bereut, „von der Entwicklung der Kinder nichts mitbekommen zu haben.“ Annika ist hat nach ihrem BWL-Studium eine Ausbildung als Tagesmutter gemacht, weil ihr schon während des Studiums klar wurde, dass ein Bürojob nichts für sie ist und sie lieber mit Kindern arbeiten möchte – und für ihre Kinder da sein will.

Als Tagesmutter erlebt sie jeden Tag, wie sehr Mütter unter Druck stehen. Sie bringen ihre Kinder krank zu ihr, weil sie zum Job müssen, oder ärgern sich, wenn sie mal wegen einer Krankheit absagen muss: „Was soll ich denn jetzt machen? Ich habe niemanden, der einspringen kann und ich muss zum Job…“ Vor Weihnachten hatte sie ein Magen-Darm-Kind in der Betreuung und ist prompt selbst krank geworden. Nach den Feiertagen war sie immer noch geschwächt und das ist Christian eingesprungen, weil er noch ein paar Tage frei hatte. Die Mütter hätten einen längeren Ausfall nicht akzeptiert, erzählt Annika. Mit im Haus von Annika und Christian wohnt auch eine Erzieherin, die ihr berichtet, dass immer öfter Kinder krank gebracht werden, weil die Mütter nicht fehlen wollen oder dürfen. Die typischen Ausreden sind bekannt: „Heute morgen gings ihm noch gut.“ Die Betreuerinnen sind irritiert darüber, dass die Mütter riskieren, dass durch ihr Verhalten die anderen Kinder und auch die Erzieherinnen angesteckt werden.

Annika hat sich jetzt entschieden, wenn das dritte Kind kommt ein Jahr aussetzen, weil sie die Situation beim letzten Mal – nach einem Jahr Pause – als zu stressig empfunden hat.

Als naiv würden sie sich beide nicht bezeichnen, trotzdem gibt es keinen Plan B, sie haben ein gemeinsames Konto und ihre Lebensversicherung auf den jeweils anderen abgeschlossen. Und Annika ist überzeugt davon, dass das richtig ist: „Christian liebt die Kinder so sehr, der würde mich nicht im Regen stehen lassen!“

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