Hintergrund: Anna & Thomas

Annas ist mit 21 Jahren schwanger geworden, von dem Vater ihres ersten Kindes war sie sehr schnell getrennt, obwohl sie sich ihre Zukunft „ganz anders vorgestellt hat“. Damals musste sie ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin unterbrechen und war darauf angewiesen, sehr schnell eine Tagesmutter zu finden, um die Ausbildung zu beenden.

Eine Krippe wäre für sie auf keinen Fall in Frage gekommen, weil sie darunter eher eine „Einrichtung“ versteht – für ihren Sohn wünschte sie sich kleine und sehr familiäre Strukturen. Die Tagesmutter, die sie schließlich fand, betreut ihre inzwischen drei Kinder seit nunmehr acht Jahren. Im Gespräch betont sie immer wieder, dass es ohne diese Frau nicht gegangen wäre, weil sie als ausgebildete Heilerziehungspflegerin (an Sonderschulen) Vollzeit gearbeitet hat, an manchen Tagen auch bei Konferenzen dabei sein oder spontan die Arbeitszeiten verlängern musste. Für sie hat das Tagesmutter Modell auch damit „unschlagbare“ Vorteile gegenüber der Krippe.

Als Alleinerziehende auf dem Land hatte sie es mehr oder weniger aufgegeben, einen neuen Partner zu finden. Wie viele Singles hat sie ihren heutigen Mann dann aber doch über eine Freundin und ganz in der Nähe kennen gelernt. Die beiden haben mittlerweile zwei gemeinsame Kinder. Der erstgeborene Michel wurde von Thomas adoptiert. Als Kleinkind hatte Michel schnell vergessen, dass es „mal einen anderen Papa gab“, wie Anna es ausdrückt. Die beiden „Jungs“ haben sich von Anfang an sehr gut verstanden.

In ihren Schilderungen wird deutlich wie schwierig die Organisation auf dem Lande ist und wie störanfällig damit auch das Lebensmodell mit einem Vollzeitangestelltem, einer Vollzeitstudentin plus 3 Kindern zwischen 1 und 9 Jahren: Der Kindergarten schließt um 13:00, dann muss die Tagesmutter die beiden Kleinen abholen. Anna war darauf angewiesen einen Kindergarten in erreichbarer Nähe der Tagesmutter zu finden, damit sie die Kinder direkt dort abholen kann.

In der Vergangenheit gab es oft Probleme, weil ihr Mann bei seinem letzten Arbeitgeber weit über 40 Stunden gearbeitet hat und oft im Ausland unterwegs war, so dass sie mit den 3 Kindern in der Woche oft „alleinerziehend“ war. Obwohl er dafür auf eine Leitungsfunktion verzichten und als normaler Angestellter arbeiten musste, hat ihr Mann den Job gewechselt, um sie entlasten zu können. Allein die Tatsache, dass er jeden Abend zuhause ist, hat die Situation „enorm entspannt“. Und wie sich jetzt herausstellt, hat er auch in neuem Job gute Chancen wieder aufzusteigen – obwohl er gleich zu Beginn 3 Monate in Elternzeit gegangen ist.

Das letzte Jahr war für die beiden stressiger denn je, weil Anna ihre Bachelorarbeit geschrieben – und bestanden! – hat. Jetzt geht es „nahtlos“ weiter mit mehrmonatigen Praktikas. Wenn ein Kind krank wird – und üblicherweise stecken sich alle anderen gegenseitig an – dann hilft ihr „ein blauer Schein wenig“.

In solchen Fällen wechselt sie sich mit ihrem Mann ab. In der „heißen Phase“ der Abschlussarbeit war er es, der die Kinder jeden Tag um 17 Uhr von der Tagesmutter abgeholt hat.

Er hat sie ermutigt, ein Lehramtsstudium anzufangen (obwohl sie dafür eine feste Stelle bei der Landesschulbehörde aufgeben musste) weil sie es sonst „später bereuen würde“. Aus ihrer Sicht hat sie im Schulalltag sowieso schon oft den „Job einer Lehrerin“ gemacht, aber „ohne als solche bezahlt zu werden.“ Das hat sie ebenfalls motiviert an die Uni zu gehen, aber vor allem, dass Thomas ihr Mut machte und ihr seine volle Unterstützung versprochen hat. „Dieses Versprechen hält er jetzt auch, mit allen Konsequenzen… Das ist das Tolle an ihm.“

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