Hintergrund: Aleksandra und Peter

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt eines gleich vorneweg: Aleksandra und Peter konnten nur so einfach nach Deutschland kommen, weil Peter ganz ursprünglich Ungar ist und auch einen unagarischen Pass besitzt. Als EU Bürger kann er deshalb innerhalb Europas recht frei agieren; als serbischer Staatsbürger wäre das nicht so einfach gewesen.

Nun aber zur Geschichte selbst: Aleksandra und Peter haben sich für etwa 16 Jahren kennengelernt beim Tanzen in ihrer Heimatstadt in Serbien. Peter half dort als Tanzlehrer aus. Zwar waren die beiden bald ein Paar, doch erst fünf Jahre später gaben sie sich das Ja-Wort und bekamen dann ihren ersten Sohn Michailo.

Als Peter und Alexandra sich kennenlernten, waren beide noch Studenten, aber Peter merkte bald, dass er trotz sehr guter Noten eher der prakktische Typ war. Er verließ die Uni und begann zunächst im Lager eines Schulbuchverlages zu arbeiten, von wo aus er sich bis in die Marketingabeilung hocharbeitete. Wer Peter kennenlernt, wundert sich darüber nicht. Er hat eine Strahlkraft, die einen glauben lässt, der Mann könne alles.

Aleksandra hat diese Entscheidung von Peter mitgetragen, aber auch noch eine andere viel schwerwiegendere: Peter nämlich hatte mit dieser Arbeit zwar eine der wenigen festen Stellen in Serbien ergattert, aber er war unglücklich. Immer hatte er das Gefühl, als fehle ihm etwas. Also fing er wieder ganz von vorn an. Denn auf einer Messe kam er mit einem Schulleiter in Kontakt und erfuhr mehr über den Beruf des Erziehers. Sofort wusste er: Das ist es! – und schulte um. Ein Sprung ins Risiko – doch leider gab es für ihn in Serbien keine Arbeit in diesem Beruf.

Auch für Alexandra war die Situation schwierig. Sie hatte ihr Studium als Englisch-Lehrerin erfolgreich abgeschlossen, aber eine feste Stelle als Lehrerin hatte sie auch nach acht Jahren noch nicht gefunden, hatte immer nur Aushilfslehrerverträge, die wenige Monate währten.

Die beiden wechselten sich mit der Kinderbetreuung ihrer inzwischen zwei Kinder ab; wenn beide auf Schicht waren, übernahm die Oma, irgendwann dann der Kindergarten.

Trotzdem waren die beiden zermürbt von der ewigen Unsicherheit, denn es kam nie regelmäßig Geld in die Kasse. Irgendwann beschlossen sie deshalb, ihr Glück in Deutschland zu versuchen – ein Schritt, der vor allem Alexandra sehr schwer fiel; bis heute vermisst sie ihre Familie unheimlich, hält zwar tapfer durch, hat aber deutlich mehr Zweifel als Peter – oder der lässt sie sich nicht anmerken.

Peter jedenfalls ging allein vor und hatte nach wenigen Wochen Arbeit als Mitarbeiter einer Firma, die Wintergärten aufbaut. Nach Feierabend rannte er zum Sprachkurs, kaum war dort fertig, suchte er noch bis spät in den Abend Wohnungen – und das alles zu Fuß, bis ihm ein Kollege ein Fahrrad schenkte. In vier Monaten hatte er unter dieser seelischen und körperlichen Belastung 15 Kilo abgenommen.

Alexandra hatte dafür zu Hause ebenso schwer zu kämpfen. Ihre Kinder, bis dato recht gesund, weinten täglich nach dem Vater und bekamen plötzlich alle Kinderkrankheiten, die sie vorher ausgelassen hatten. Parallel fiel die Oma aus, denn Alexandras Vater wird krank.  Dazu sei immerhin angemerkt, dass in Serbien die Zahl der Kindkranktage nicht wie in Deutschland auf zehn  begrenz ist – solange das Kind krank ist bekommt man 65 Prozent des Lohnes vom Staat.

Nach vier Monaten Durststrecke waren sie dann wieder vereint, in einer kleinen Sozial-Wohnung in einer hübschen norddeutschen Kleinstadt mit Möbeln aus dem Sozialen Kaufhaus oder von Kollegen.

Und hier geschah dann ein kleines Wunder: Peter war wegen Rückenbeschwerden krankgeschrieben und holte seine Tochter vom Kindergarten ab, wo ihn die Leiterin der Einrichtung fragte, was er eigentlich gelernt habe. Als er sagte: Erzieher, stellte sie ihn sofort ein. Allerdings nur als Sozialpädagogischen Assistenten, seine serbische Ausbildung wurde nicht anerkannt. Jetzt hat er aber eine Fortbildung abgeschlossen, so das er bald etwas mehr verdienen wird.

Auch Alexandra bekam einen Job im Hort und ein einer Schule in der Stadt – auch ihr Studium als English-Lehrerin wurde bis heute nicht voll anerkannt.

Trotzdem lassen die beiden sich nicht entmutigen, sie kämpfen und bewegen sich aktiv, um sich zu integrieren, mit allem was dazu gehört. Die Sprache haben sie rasant gelernt, aber damit ich genug. Nebenbei gibt Peter noch den Fußballtrainer für kleine Kicker im örtlichen Fußballverein.

Doch dann kam doch nochein private Rückschlag – Weidas mt Familie eben so ist: irgendwas ist immer. Im November 2015 stellte sich heraus, dass ihre Tochter Diabetes hat – viele Wochen waren beide ständig im Krankenhaus, wurden für die Ernährungsumstellung geschult, fielen im Job aus. Eine enorme Belastungsprobe  – und Alexandra musst sich einen Halbtagsjob suchen, denn fortan konnte die Tochter nicht einfach ganztags irgendwo im Kindergarten sein.

Dennoch sieht man: Um das zu schultern, was zu schultern ist, arbeiten sie als Team zusammen: Beide machen alles, wenn auch nicht ganz 50/50, weil Peter ganztags arbeitet.

Die beiden sind glücklich und sehr dankbar dafür, wie gut es Ihnen hier geht. „Endlich haben wir Zeit und innere Ruhe für unsere Kinder und müssen uns nicht ständig darum sorgen, wie wir morgen die Miete bezahlen oder wovon wir Essen kaufen.“

In den ersten Jahren haben sie Wohngeld und Kinderzuschlag erhalten, aber jetzt bekommen sie nur noch einen Zuschuss zum Kindergarten, weil sie mit ihrem Einkommen über der Bemessungsgrenze liegen, darauf sind sie sehr stolz.

 

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