Gastbeitrag von grossekoepfe: Hau ab Du Pissnelke

Hau ab, du Pissnelke.

Sonntag früh, ich packe den Kindern und mir einen Stoffbeutel voller Buddelzeug, einer Flasche Wasser und ein paar Keksen. Wir wollen auf den Spielplatz im Wohngebiet. Wir sind nicht wirklich früh dran an diesem Morgen, aber ein Sitzplätzchen für mich gibt es schon noch und so lasse ich die Kinder spielen, winke ab und zu rüber und lese weiter meinen Roman im Schatten.

Plötzlich riecht es nach Zigarette auf dem Spielplatz, ich drehe den Kopf. Neben mir auf der Bank haben es sich zwei Muttis so richtig schön mit ihren Zigaretten und einem Hund an der Leine gemütlich gemacht. Lautstark fordern sie ihre Kinder zur Vorsicht auf und reißen den Hund an der Leine als dieser anscheinend auch buddeln gehen will.

„Entschuldigung“, starte ich einen ersten Versuch. „Auf Spielplätzen sind weder Hunde, noch das Rauchen erlaubt. Stellen sie sich doch vor den Spielplatz und kommen sie dann wieder rein“, sage ich. Die Gesichtszüge der beiden Frauen entgleisen. „Wat soll ick? Kümmere dich um deinen eigenen Dreck“ fährt mich die Frau an.

Ich klappe mein Buch zusammen. „Wie sollte ich das denn tun? Ich produziere hier ja gerade keinen Dreck die Damen, sie aber schon und ihr Hund vielleicht auch“, kontere ich.

„Verpiss dich, du Pissnelke“, sagt die zweite Frau und tritt ihre Zigarette direkt vor der Bank aus. Oh lala, da liegt ja bereits ein kleiner Haufen von Kippen, seit wann sind die Beiden Frohgemüter denn hier? „Könnten sie ihre Zigarettenstummel nicht wenigstens wegräumen, immerhin sind hier morgen wieder Kitakrabbelgruppen und Schulklassen auf dem Spielplatz.“

„Hier guck mal wie ick dat kann“, schreit die eine Frau mich nun entnervt an und sammelt einen Stummel ein, den sie zum Mülleimer trägt. Die andere Frau (mit Hund an der Leine) lacht lauthals. Ohhm, ich bleibe ruhig. Ich rege mich nicht auf. Ich bin die Ruhe selbst, ich bleibe gelassen! Schlimmer als ein Elternabend kann das ja hier nicht werden, denke ich.

„Danke“, sage ich und wende mich wieder meinem Buch zu. Auf der Nebenbank wird nun gelästert. „Blöde Pute, immer diese Zugezogenen. Scheiß Tussi. Kommt bestimmt aus Schwaben…“ und weitere Wortfetzen fliegen zu mir herüber. Ich halte an mich, merke jedoch wie meine innerliche Wut mir bereits die Ohren rot gefärbt hat. Der Hund an der Leine wird unruhig und Frauchen öffnet nun einfach seine Leine. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn so ein Riesentier an einem vorbei läuft und überall schnuppert. Ich bin froh keine 1,10m mehr zu sein. Der Hund entscheidet sich nach einem Rundgang für das Bein einer Tischtennisplatte um sein Geschäft zu erledigen.

Glückwunsch, er hat nun sein Revier markiert. Ich atme ein, ich atme aus. Ich merke wie mir die Wut Worte auf die Zunge legt.

Ich markiere mein Revier auch gleich mal, das mache ich dann aber anders und deutlicher als der Hund, denke ich mir. Ich sehe nämlich diese zauberhaften Krabbelgruppenkinder vor mir, die ihre ersten Stehversuche an den Beinen der Tischtennisplatte vornehmen und das macht mich wütend. „Hey Kinder“, rufe ich. „Kommt doch mal rüber ihr Kackbratzen und pullert hier mal hinter die Nebenbank. Heute ist nämlich der: Wir – pissen – alle –  mal – auf –  den – öffentlichen –  Spielplatz –  Tag und da dürft ihr auch mal ran. Danach ihr beiden Hohlbirnen nehmen wir dann aus dem Beutel unsere Meerschweinkacke und verteilen die so richtig schön auf den Bänken, damit sich auch alle daran erfreuen können und dann nehmen wir noch unsere Eddings aus der Tasche und malen einfach mal die teuren Spielgeräte an und schreiben: Alles meins ihr Vollpfosten drauf, oder ihr Rotzgören?“ Meine Kinder schauen verwundert, wer hat ihre Mutter so plötzlich gegen einen berlinernden Alien ausgetauscht ? „Mama, das ist aber alles verboten und dann ruft noch jemand die Polizei“, antwortet das große Kind zögerlich.  „Ach jaaaaa? Upps. Gut zu wissen mein Kind“, rufe ich  rüber und wähle dann die 110. Merkwürdig wie schnell die beiden rauchenden Muttis mit ihren Kindern plötzlich verschwunden sind.

Dieser Text ist entstanden, nachdem mich eine Leserin angeschrieben hat, dass sie sich dolle Sorgen über den Zustand der Spielplätze macht. Bereits mehrfach hat sie andere Eltern auf Spielplätzen aufgefordert  nicht zu rauchen, keine Kippen wegzuschmeißen und die Hunde draußen zu lassen. Sie hat bereits das Ordnungsamt und die Polizei eingeschaltet. In diversen Spielplatzforen wurde sie beschimpft und das Rauchen und Trinken auf dem Spielplatz als völlig normal angesehen. Neulich wurde sie mit Hundekacke von einer anderen Mutter beworfen und ihr wurde angedroht sie mal so richtig aufzumischen, wenn sie ihre Rotzgöre nicht dabei hätte (das Kind ist 1,5 Jahre alt).

Daher hier nochmal die Regeln eines öffentlichen Spielplatzes für alle und die Bitte diese tollen Orte der Gemeinschaft zu schützen und zu bewahren, denn der Raum zum Spiel für Kinder wird immer eingeschränkter und der Schutz dessen sollte daher umso mehr unsere Aufmerksamkeit verdienen.

  1. Spielplätze sind als solche gekennzeichnet. Ein Schild weist immer aus was genau auf dem Spielplatz verboten ist.
  2. Ein Spielplatz ist eine Kinderzone. Hunde sind nicht erlaubt. Ein Verstoß dagegen kostet 35 Euro
  3. Rauchen auf einem Spielplatz ist verboten. In einigen Bundesländern ist das Rauchverbot durch das sogenannte Nichtraucherschutzgesetz geregelt (Bayern, Brandenburg, Saarland, Bremen, NRW)
  4. Eine Mittagsruhe gibt es auf Spielplätzen nicht. Meistens ist das Aufhalten auf einem Spielplatz bis 20 Uhr, oder sogar 22 Uhr erlaubt. Mieter die sich wegen Kinderlärms auf einem Spielplatz beschweren, müssen das erdulden, denn Kinderlärm ist zulässig.
  5. Ein Kinderspielplatz ist nicht regional gebunden. Man darf also auch seine Freunde mitbringen. Generell gilt aber, ein Spielplatz ist vorgesehen bis 14 Jahren. Für Jugendliche gibt es zum Musik hören usw. andere, gekennzeichnete Treffpunkte.

 

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