Ein Hoch auf uns …!

Weltelterntag! Schön. Aber eigentlich müssten an jedem Tag Familienpolitiker, Vorgesetzte und unsere Kinder einen roten Teppich vor uns ausrollen, Rosen auf uns regnen lassen und fragen, was wir neben Süßem, Gebäck, einer Nackenmassage, familienfreundlichen Arbeitszeiten und kostenlosen Kindertagesstätten denn noch so brauchen. Tun sie aber nicht. Also tun wir es: Ein Hoch auf uns! Auf uns Mütter und Väter, die wir beinahe jeden Tag früh aufstehen, jeden Tag mindestens eine Mahlzeit für Menschen zubereiten, die diese im Zweifel weder mögen noch zu schätzen wissen, jeden Tag Wäsche waschen, jeden Tag über die banalsten Dinge verhandeln und jeden Abend ins Bett fallen, um am nächsten Morgen mit dem gleichen Sch… wieder von vorne anzufangen.

Solange diejenige, für die wir alle diese Dinge tun, die wirklich keinen Spaß machen, uns anlächeln, knuddeln, gut riechen und so entzückende Dinge sagen wie: „Ich hab Dich lieb von hier bis nach Bielefeld“, solange ist alles noch einigermaßen zu ertragen. Wenn sich diejenigen aber, für die man jeden Morgen aufsteht, von einem Tag auf den nächsten in Monster verwandeln, dann ist nichts mehr gut.

Es mag Menschen geben, die dieser Verwandlung etwas Komisches abgewinnen können. Mit nachsichtigem Augenzwinkern sprechen sie über das „Pubertier“ und geben Tipps, wie man stoisch durch diesen Lebensabschnitt manövriert. Meistens sind diese Menschen entweder im Rentenalter und haben diese Phase ihres Familienlebens erfolgreich verklärt. Oder sie haben selber keine Kinder. Wer aber wie wir mitten drin steckt findet diese Verwandlung auf Dauer vor allem eins: unerträglich. Und nur die Evolutionsbiologie weiß, warum auf unseren Straßen, in unseren Städten und Dörfern nicht Horden pubertierender Teenager herumirren, die von ihren Eltern einfach vor die Tür gesetzt worden sind. Hinausgeflogen, weil sie wahlweise unverschämt, ignorant, egozentrisch, hysterisch, verfressen, übel riechend oder auch alles zusammen waren.

Es muss eine überirdische Liebe sein, die uns Eltern diese Menschen tatsächlich noch beherbergen lässt. Mehr noch, einige von uns verschlingen Ratgeber, um den Pubertierenden gelassen entgegen zu treten, andere kaufen deren Lieblingsschokolade oder Gummibärchen, um wenigsten einmal die Woche ein zartes Lächeln über ihre Lippen huschen zu sehen. Und wieder andere lassen sie in Scharen in ihre Küche einfallen und den Kühlschrank plündern, damit sie überhaupt noch nach Hause kommen. Niemandem würden wir jemals erlauben, so mit uns, unserer Küche und unserem Leben umzugehen. Niemandem! Außer unseren Kindern.

Anstatt uns aber täglich dafür zu huldigen, dass sie sich bei uns unentgeltlich die Bäuche vollstopfen, die Zähne richten, eine Sportart erlernen und den Inhalt ihrer Federtasche nachbestellen können tun sie bestenfalls: nichts. Die schlimmsten Fälle kann sich jeder selber ausmalen.

Darum noch einmal: Ein Hoch auf uns! Sein wir heute zu den Müttern und Vätern, die wir kennen, die in unserer Nachbarschaft wohnen, denen wir mit Rändern unter den Augen in der Bahn begegnen, die mit uns in der Kaffeeküche im Büro nach dem letzten Tropfen abgestandenem Filterkaffee lechzen, besonders nett. Sagen wir ihnen, dass sie jeden Tag Großartiges leisten und wie stolz sie auf sich sein können. Eltern sind Heilige. Der Weltelterntag ist somit das Mindeste, was wir erwarten können.

 

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