Drehbericht: Sascha und Diana aus Thüringen

Ich bin Wessi und meine Eltern sind es auch (meine Großmutter allerdings, das sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt, kam aus Thüringen!!!)  – wie auch immer: Dass ich also „im Grunde“ Wessi bin, sag ich hier deshalb, weil ich viele verschiedene, sich teils widersprechende Dinge über das Aufwachsen im Osten gehört habe im Laufe der letzten Jahre: über das tolle Krippensystem in der DDR, die volle Erwerbstätigkeit der Frauen in der DDR, den angeblich besseren nachbarschaftlichen Zusammenhalt – aber auch über Kinder, die in dem ganz auf Erwerbstätigkeit ausgerichteten System der DDR emotional unter die Räder gekommen sind.

Nach dem Treffen mit Diana und Sascha hatte ich das Gefühl, ein Stückchen Wahrheit erhascht zu haben – die wie immer irgendwo dazwischen liegt.

Erstens: Dass beide arbeiten ist ihnen selbstverständlich. Das heißt nicht, dass es nicht auch für sie unglaublich anstrengend wäre, aber Sascha und Diana lassen sich nicht auch noch vom ständig schlechten Gewissen ein Bein stellen. Dennoch sagte mir Diana: 50 Prozent, das wäre perfekt!

Zweitens: Wenn man den beiden zuhört, dann ist man nach zwei Stunden völlig erschöpft von dem Pensum, das die beiden in den letzen vier Jahren bewältigt haben: Hausbau, 2 Kinder und Vollzeit arbeiten…. Und gleichzeitig ist klar: ohne den unglaublichen Zusammenhalt, mit dem ihre beiden Familien (und die Nachbarn) sie beim Hausbau und auch jetzt mit den Kindern bei voller Berufstätigkeit unterstützt haben und unterstützen, wäre das alles gar nicht denkbar gewesen. Von einem gestörten emotionalen Verhältnis zu den eigenen Eltern wegen deren Berufstätigkeit ist nix zu spüren.

Drittens: Dieser Unterstützung sind die beiden sich so unumstößlich sicher, dass sie trotz aller Erschöpfung eine wahnsinnig positive Energie und Selbstverständlichkeit ausstrahlen. Beide kommen aus Elternhäusern, in denen die  Eltern über 40 Jahre verheiratet sind und sagten mir, dass es diese positive Erfahrung war, die sie so fröhlich und bedenkenlos in das Abenteuer Familie hat schlittern lassen.

Viertens: Beide haben, glaube ich, erst durch das Gespräch mit uns gemerkt, dass sie Unfassbares geleistet haben – und dass wünsche ich mir mehr für alle Familien: dass wir mal innehalten und Revue passieren lassen, was wir schon alles auf der Uhr haben. Dann verzeiht man sich vieles  – und das kann auch entlasten.

Und eines noch: der Thüringer Wald ist unglaublich schön!

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