Drehbericht: Farzaneh und Deniz

Mein erster Gedanke nach diesem Dreh war: WOW, was für beeindruckendes Paar: liebevoll, herzlich, warm und ansteckend fröhlich. Als Farzaneh und Deniz mir erzählen, dass sie tatsächlich erst nach 11 Jahren, und vor allen Dingen erst NACH der Hochzeit, zusammengezogen sind, fällt mir ein, dass ich lange nicht mehr so etwas Romantisches gehört habe. Trotzdem frage ich mich, ob es vielleicht noch etwas Verborgenes, Überraschendes oder Nerviges gibt, dass man erst dann am anderen entdeckt, wenn man in ein und derselben Wohnung lebt. „Klar, das war schon eine krasse Umstellung“, meint Deniz, „am Anfang als wir geheiratet haben, hab ich mich sehr alleine gefühlt, weil ich aus einer Großfamilie kam (…) Wir saßen als Familie oft abends zusammen und haben Tee getrunken und haben fern geschaut und haben gequatscht und so. Und dann, als wir geheiratet haben, nur wir beide in einer Wohnung…“

Das war für mich die zweite Überraschung: Während die meisten jungen Leute es gar nicht erwarten können, zuhause auszuziehen, hatte Deniz tatsächlich –  mit fast 30 Jahren und nach 11 Jahren Beziehung mit Farzaneh – das Problem, dass er sich ohne Geschwister und Eltern einsam fühlte…!

Dritte Überraschung: Auf die Frage, ob es nicht Machtkämpfe oder Diskussionen rund um die Hausarbeit gab, guckten mich beite irritiert an, als sei diese Frage echt oldschool. “Mit dem Haushalt haben wir gar kein Problem“, erklärt mir Deniz ganz entspannt, „Ich hab zuhause wirklich sehr viel geholfen. Da haben meine Eltern keinen Unterschied gemacht, ob es jetzt eine Junge oder Mädchen ist. Jeder musste mal staubsaugen, jeder musste mal den Müll wegbringen, jeder musste mal abwaschen oder den Geschirrspüler ein oder ausräumen. “ Ich habe mich in diesem Moment gefragt, ob es viele Familien OHNE Migrationshintergrund gibt, in denen die Jungs tatsächlich zur Gleichberechtigung erzogen werden.

Mein Eindruck ist: bei den beiden gibt es sehr viel weniger Reibungsverluste als bei den meisten Paaren, die ich im Laufe der Jahre – ob bei Recherchen oder privat – kennen gelernt habe. Deniz genießt den Umstand, einen Job zu haben, in dem er oft schon kurz nach 16 Uhr Schluß hat, um sich dann seiner Familie widmen zu können. Er ist froh, dass er mehr als andere Väter mit seiner Tochter zusammen sein kann und für ihn ist es selbstverständlich, dass er jederzeit für Lale da ist, wenn Farzaneh ihre Schichten in der Klinik antritt. Für Farzaneh ist es sehr viel schwerer,  Familie und Beruf zu vereinbaren, obwohl sie „nur“ in Teilzeit als Hebamme arbeitet. Und insgesamt bleibt der jungen Familie nicht viel Geld im Monat. Aber all das hat überhaupt keinen Einfluß auf ihr Familienglück.

Deshalb verabschiede ich mich ziemlich bald, als die Tochter Lale von der Oma nach Hause gebracht wird – alle drei liegen sich sofort in den Armen und kuscheln zu dritt auf dem Sofa…Da passt kein Blatt mehr dazwischen.

 

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