Drehbericht Aleksandra und Peter

Oft erzählen kleine Geschichten mehr über jemanden als alles andere.

Als ich Peter zu einem Vorgespräch traf, war er allein mit seinem Sohn, denn seine Frau war mit der kleinen Tochter in Serbien, weil es Aleksandras Vater nicht gut ging. Peter hatte am Abend Pfannkuchen gemacht und durchgesaugt bevor ich kam. Und während wir da saßen und über das Interview sprachen, entwarf er nebenbei Rechenaufgaben, mit denen sein Sohn, der brav nebenan in seinem Zimmer war, noch für die morgige Mathearbeit lernen sollte. All das tat oder erzählte er völlig selbstverständlich nebenbei.

 

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Die andere Geschichte: Wir hatten das Interview am Drehtag längst geführt, die Kamera war aus und wir saßen auf Peters kleiner Schnitz-Bank unter dem Hochparterrefenster vor dem Mietshaus, da erzählte er mir, wie er eines Morgens mit einem Kollegen auf dem Weg zu einer Baustelle gewesen war.

Das war zu der Zeit, als Peter noch allein als Vorhut in Deutschland war, um den Grundstein für den Nachzug seiner Familie zu legen. Peter, der studierte Erzieher, saß also in dem LKW auf dem Weg zu einer Wintergarten-Baustelle, trank Kaffee aus einem Pappbecher und sah aus dem Fenster. Plötzlich erblickte er ein keines Mädchen mit Schulranzen auf dem Rücken, das über die Ampel marschierte, vor der er und sein Kollege warteten. Es hatte dunkle Haare, eine Stupsnase und wache Augen – wie seine Tochter. Peter, dieser große, lustige, lebensfrohe Kerl sah das Mädchen,  – und begann bitterlich an zu weinen. Sein Kollege neben ihm fiel aus allen Wolken, versuchte immer wieder unbeholfen ihn zu trösten, aber Peter konnte nicht einmal antworten, so sehr hatte ihn die Sehnsucht nach seinen Kindern an diesem Morgen übermannt.

Peter ist ein Mann, der so etwas einfach erzählt, weil es das ist, was er fühlt, und er kann daran nichts Schwaches finden. Für ihn ist die Liebe zu seinen Kindern seine größte Stärke, sein größter Halt.

Alle Familien, die wir getroffen haben, egal wie wohlhabend oder bescheiden sie leben oder wie das Leben ihnen drumherum mitspielt, empfinden ihre Kinder als Reichtum. Aber nie ist es mir so aufgefallen wie bei Peter und Aleksandra, die mit nichts hierher kamen außer ihren Kindern und jetzt glücklich sind, über jeden kleinen Schritt, den sie hier als Familie gehen.

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