„Ich vertraue da einfach“ – Sascha und Diana aus Thüringen

Sascha (34) und Diana (29) mit Angelina (4) und Nils (2) aus Thüringen

Sascha und Diana leben mit ihren beiden Kindern in Thüringen auf dem Dorf. Kennengelernt haben sie sich auf der Kirmes. „Die Fritzi hat sich mich geschnappt“, sagt Sascha.

Beide sind in der DDR geboren und haben dort ihre ersten Kinderjahre verbracht. Diana ging früh in die Krippe, Sascha nicht. „Ich war kein Krippenkind, ich war irgendwie nicht gut zu handlen da“, sagt er heute. Also blieb seine Mutter – für die DDR sehr ungewöhnlich – drei Jahre zu Hause. Danach aber erinnert er seine Eltern nur noch arbeitend. „Aber mein Vater war Lehrer und mittags zu Hause. Er hat dann abends seine Stunde vorbereitet so dass er nicht gefehlt hat.“

Über das Thema „Kinder Ja oder Nein?“ haben die beiden, als sie sich einmal verliebt hatten, nicht lange gesprochen, sie haben alles auf sich zu und es drauf ankommen lassen.

„Wenn man drüber nachdenkt ob und wann es Sinn macht, Kinder zu bekommen, dann macht man es eh nicht.“, sagt Sascha.

Prompt kamen dann die beiden Kinder recht knapp aufeinander. „Das war ein Glück“, sagt Diana heute, denn nur so konnte sie die vielen Krankheiten zu Hause auffangen, die Angelina aus der Krippe in den ersten drei Jahren mit nach Hause brachte. Sie hatte eh Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft, weil sie als Anästhesieschwester arbeitet, war also daheim, so dass das nicht so schwer ins Gewicht fiel.

Aber auch der kleine Nils war und ist sehr viel krank, muss dann inhalieren und so weiter. Das alles hat Diana im letzten Jahr so angestrengt, dass sie im Job fast eine falsche Narkose aufzog. Da wusste sie, dass sie eine Pause brauchte. Ganze drei Wochen hat sie sich dann krank schreiben lassen, weil es einfach nicht mehr ging.

Doch danach musste sie wieder voll ran: Vollzeit im Schichtbetrieb; es muss sein, denn die Hausschulden drücken und Sascha verdient mit seiner Selbstständigkeit nicht genug. Diana sagt: „Ich würde immer arbeiten gehen wollen, aber wenn ich könnte höchstens 15 Stunden.“

Die Nachtschichten machen Diana fertig, es sind zwar nur zwei im Monat, aber nach denen braucht sie immer tagelang, um wieder normal schlafen zu können. Und das, obwohl sie ohnehin seid vier Jahren nicht mehr durchgeschlafen hat. Ihre Frühschicht fängt um 6 Uhr an, dafür muss sie um vier Uhr aufstehen, denn sie hat eine Stunde Fahrtzeit. Wenn der Kleine dann aufwacht und sagt. „Mama, nicht Arbeit!“ würde sie am liebsten daheim bleiben, aber es geht nicht.

Sascha ist selbstständig und arbeitet etwa 1,5 Kilometer vom Wohnort entfernt. „Nebenbei“ hat er noch das Eigenheim der Familie allein bzw. mit Hilfe von Freunden und Familie gebaut: von A wie Ausbaggern bis Z wie Zimmer streichen. Zwei Jahre hat er abends nach der Arbeit und jedes Wochenende seine Freizeit auf der Baustelle verbracht. Jetzt leben sie darin und können ihr Glück nicht fassen.

Wenn Diana Frühschicht hat, macht Sascha die Kinder morgens fertig und bringt sie dann um 7h30 im Kindergarten, wo sie auch frühstücken. Den Haushalt macht aber größtenteils Diana.

Dennoch sind die beiden summa summarum zufrieden. Denn vor allem in ihrem Job sieht Diana, wie es auch laufen kann: „Ich bin häufig bei  Narkosen für künstliche Befruchtungen dabei. Im Grunde junge Frauen, die so verzweifelt sind, weil es einfach nicht auf Knopfdruck klappen will mit der Schwangerschaft. Ich bin so froh und dankbar, dass es bei uns einfach geklappt hat, vielleicht auch weil wir es einfach haben auf uns zukommen lassen.“

Laut Dianas Aussagen kennt sie allein zehn Frauen, die extrem unter unfreiwilliger Kinderlosigkeit leiden: Junge Frauen, sagt sie, die jetzt schon total verkrampft sind! Das ist so traurig zu sehen!“ Entweder es klappe aus natürlichen Gründen nicht oder der Mann sei dauernd auf Montage und immer zum falschen Zeitpunkt nicht da.

Diana selbst muss zwar jeden Tag eine Stunde Arbeitsweg pro Fahrt in Kauf nehmen, aber ihre Arbeit hat den großen Vorteil, dass die Uniklinik ein riesiger Laden ist, in dem man ohne schlechtes Gewissen den Kollegen gegenüber zu Hause bleiben kann, wenn die Kinder krank sind: „Es sind einfach so viele Kollegen da, da ist immer jemand der einspringen kann, das ist ein gutes Gefühl!“

Außerdem hat sie eine Chefin, die sich extrem offen und flexibel zeigt, und ihr immer wieder anbietet, jederzeit zwischen Voll- und Teilzeit hin- und herzuwechseln. „Leider können wir uns das im Moment nicht leisten, aber es ist trotzdem gut zu wissen, dass es ginge. All das wäre in einem kleinen mittelständischen Betrieb oder einer kleinen Praxis gar nicht möglich. Aber klar, auch in großen Betrieben hängt die Atmosphäre die verbreitet wird, letztendlich von den direkten Chefs ab. In meinem Fall ist es Gott sei Dank eine verständnisvolle Frau.“

Dennoch, auch wenn beide grundsätzlich überzeugt sind, dass Krippe und Kindergarten gut für die Kinder ist und sie auch oft erleben, dass die Kinder nachmittags gar nicht Heim sondern weiterspielen wolle, weil dann im Kindergarten die ruhige Zeit einkehrt ist, sagt Diana: „Sascha fällt es leichter, vor allem auch Nils abzugeben – die Mamas sind da anders, zumal bei Jungs, weil der Nils so ein Mamakind ist.“

Und die ständigen Bronchiden von Nils, in denen wieder und wieder inhaliert werden muss, zerren an den Nerven der beiden. Die Großeltern springen sehr viel ein, holen die Kinder oft nachmittags früher ab, damit sie nicht die ganze Woche über bis 16 Uhr im Kindergarten bleiben müssen. Beim Thema Krankheit aber ist die Regelung allen Beteiligten klar: ein krankes Kind braucht seine Eltern, dazu sind die Großeltern nicht willens und bereit. Und Sascha und Diana sehen das genauso.

Diana„Wir mussten schon viel kämpfen und ich bin ziemlich kaputt, aber wenn der Nils mich anlächelt vergesse ich das alles. Klingt abgedroschen ist aber wirklich so.“

Das Thema Heirat haben die beiden erstmal aufgeschoben, denn es soll eine große, richtig tolle Liebes- und keine Pflicht-Hochzeit werden – und für die Planung haben sie im Moment einfach keine Ruhe. Bis dahin hat Sascha streng genommen kein Sorgerecht für seine eigenen Kinder. Wie er damit lebt?

Sascha: „Ich vertrau da einfach.“

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